Historie der Familie

-3,6 Mio. Jahre Tansania

Fußspuren in Laetoli verweisen auf einen Gruppenzusammenhang. Drei Vormenschen unterschiedlichen Alters sind nebeneinander aufrecht gelaufen. Die Spuren sind älter als die ersten gefundenen Steinwerkzeuge.

-40000 Spanische Halbinsel

Mit der Besiedlung Westeuropas durch den Homo sapiens entstehen erste Höhlenmalereien. Die Menschen dieser Gemeinschaften, deren Organisationsformen wir nicht kennen, hinterlassen ihre Handabdrücke.

-3,6 Mio. Jahre Tansania

Fußspuren in Laetoli verweisen auf einen Gruppenzusammenhang. Drei Vormenschen unterschiedlichen Alters sind nebeneinander aufrecht gelaufen. Die Spuren sind älter als die ersten gefundenen Steinwerkzeuge.

-40000 Spanische Halbinsel

Mit der Besiedlung Westeuropas durch den Homo sapiens entstehen erste Höhlenmalereien. Die Menschen dieser Gemeinschaften, deren Organisationsformen wir nicht kennen, hinterlassen ihre Handabdrücke.

-3,6 Mio. Jahre Tansania

Fußspuren in Laetoli verweisen auf einen Gruppenzusammenhang. Drei Vormenschen unterschiedlichen Alters sind nebeneinander aufrecht gelaufen. Die Spuren sind älter als die ersten gefundenen Steinwerkzeuge.

-40000 Spanische Halbinsel

Mit der Besiedlung Westeuropas durch den Homo sapiens entstehen erste Höhlenmalereien. Die Menschen dieser Gemeinschaften, deren Organisationsformen wir nicht kennen, hinterlassen ihre Handabdrücke.

-4000 China

Vor dem Auftreten von Stammesorganisationen ­lassen sich erste Anzeichen einer matrilinear organisierten Gesellschaft erkennen: ­Teilung der Dörfer und die Trennung der Gräber zwischen Männern und Frauen.

-5000 Predonica, nahe Pristina

Eine neolithische Tonstatuette der Vinca-Kultur stellt offenbar das ewige Motiv von Mutter und Kind dar.

-6000 Westeuropa

In Kollektivgräbern, wie dem Grab von La Chaussée-Tirancourt bei Amiens, sind Mitglieder einer sozialen Gruppe beider Geschlechter mit Familienmerkmalen bestattet.

-4000 China

Vor dem Auftreten von Stammesorganisationen ­lassen sich erste Anzeichen einer matrilinear organisierten Gesellschaft erkennen: ­Teilung der Dörfer und die Trennung der Gräber zwischen Männern und Frauen.

-5000 Predonica, nahe Pristina

Eine neolithische Tonstatuette der Vinca-Kultur stellt offenbar das ewige Motiv von Mutter und Kind dar.

-6000 Westeuropa

In Kollektivgräbern, wie dem Grab von La Chaussée-Tirancourt bei Amiens, sind Mitglieder einer sozialen Gruppe beider Geschlechter mit Familienmerkmalen bestattet.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000 Südamerika

Dörfer entstehen entlang von Seen und Flüssen. Die agra­rische Produktionsweise führt zu neuen Siedlungs- und Organisationsformen.

-3000

-2270 Mesopotamien

Der Obelisk von Manishtusu dokumentiert den Kauf von Grundstücken sowie die verwandtschaftlichen Ansprüche darauf. Damit lassen sich Stammbäume rekonstruieren. Die Namen der Mütter, Töchter, Gattinnen und Enkel fehlen.

-2600 Tello, Irak

Das Sandsteinrelief der »Figure aux plumes« (Paris, Louvre) enthält geritzte Zeichen, die eine Übertragung von Grund und Boden zwischen Familien dokumentieren.

-2500 Ägypten

Ein Sohn ist für Ägypter und Assyrer der entscheidende Nachkomme. Er richtet für sie den Totenkult aus und garantiert, dass ihr Name weiterlebt.

-2500 Ägypten

Die Lehre des Ptahhotep ­enthält Ratschläge des Vaters an den Sohn: »Kannst du dich selbst ernähren, gründe ein Haus und verehre deine Frau darin, wie es sich gehört (...) Sie ist ein fruchtbarer Acker für ihren Herrn

-2270 Mesopotamien

Der Obelisk von Manishtusu dokumentiert den Kauf von Grundstücken sowie die verwandtschaftlichen Ansprüche darauf. Damit lassen sich Stammbäume rekonstruieren. Die Namen der Mütter, Töchter, Gattinnen und Enkel fehlen.

-2600 Tello, Irak

Das Sandsteinrelief der »Figure aux plumes« (Paris, Louvre) enthält geritzte Zeichen, die eine Übertragung von Grund und Boden zwischen Familien dokumentieren.

-2500 Ägypten

Ein Sohn ist für Ägypter und Assyrer der entscheidende Nachkomme. Er richtet für sie den Totenkult aus und garantiert, dass ihr Name weiterlebt.

-2500 Ägypten

Die Lehre des Ptahhotep ­enthält Ratschläge des Vaters an den Sohn: »Kannst du dich selbst ernähren, gründe ein Haus und verehre deine Frau darin, wie es sich gehört (...) Sie ist ein fruchtbarer Acker für ihren Herrn

-2570

-2070 China

Nüwa 女娲, die Schöpfungsgöttin der chinesischen ­Urzeit-Mythologie, formt die Menschheit aus Lehm nach ihrem Abbild, erschafft die menschliche Gesellschaft und institutionalisiert die Ehe.

-2000 Mesopotamien

Vertreter des künftigen Ehemanns wählen die Frau und zahlen an deren Familie. Der mündliche Vertrag besiegelt die Ehe: »Gewisslich ist sie meine Frau«. Die Ehefrau steht unter der Obhut der Schwie­germutter.

Um -2000 Mesopotamien

Adoption ist üblich als ­zweiseitiges Rechtsgeschäft. Verwandte oder sogar der Vater können adoptiert werden. Sie ermöglicht Sklavenbefreiung, Erbsicherung, Heirats­vermittlung und Nachkommen-Sicherung.

-2000 Mesopotamien

Babylonier und Assyrer beschreiben mit dem Haus (bitum) nicht nur das Gebäude, sondern auch alle Bewohner, Nebengebäude, Besitztümer und Ländereien. Später ­entwickelt sich daraus die Bedeutung für Dynastie.

-2000 Mesopotamien

Die babylonische Familie ist mehrheitlich monogame ­Kernfamilie: Vater, Mutter und unverheiratete Kinder. Sie ist patriarchal, beruht auf der väterlichen Gewalt und der Abstammung über die männliche Linie.

-2000 Nordamerika

Bei indigenen Gruppen der Plains wird Verwandtschaft durch die Vaterlinie bestimmt. Sind Männer Hauptversorger, liegt der familiäre Fokus oft auf den männlichen Erben und väterlichen Verbindungen.

-1800 Nordamerika

Die Familie ist integraler Bestandteil des gesamten sozialen Gefüges in vielen indigenen Gesellschaften. Ihre Aufgaben sind oft eng mit der Versorgung und dem Wohlstand der Gemeinschaft verknüpft.

-2150

-1500 Mesopotamien

Das Fragment eines Terrakotta-Reliefs (Paris, Louvre) zeigt Mann und Frau als Paar einander zugewandt in der Geste der Umarmung.

-1500 Indien

»Es genügt, wenn sein erstge­borener Sohn in die Welt kommt, damit ein Mann ein Sohnbesitzer sei und von seiner Schuld gegenüber den Vorvätern befreit werde. Darum steht dem erstgeborenen Sohn das gesamte (Erbe seines Vaters) zu.« Manu IX, 106

-1500 Nordamerika

Ehen gründen häufig auf praktischen und sozialen Bedürfnissen. Die polygyne Ehe (Mann mit mehreren Frauen) ist häufig, wenn Ressourcen und Landarbeit eine größere Familie erfordern.

-1200 – -400 Südamerika

Regionale und überregionale Handelsnetze entstehen. Einige Verwandtschaftsgruppen erhalten bevorzugten Zugang zu Ressourcen.

-1500 Indien

Die Gesellschaft ordnet sich in vier hieratischen Kasten: Priester, Kriegsadel, Händler / Bauern und Arbeiter. Hindus heiraten innerhalb ihrer Kaste. Der Hausherr steht der Großfamilie vor (Hindu joint family).

-1754 Babylon

Der Kodex von Hammurabi, eine der ältesten bekannten Gesetzessammlungen der Welt, regelt in ca. 282 Gesetzen u.a. das Familienrecht und Eigentumsfragen.

-1500 Indien

Sannyasin, Anhänger einer spirituellen hinduistischen Praxis, entsagen dem Weltlichen, lehnen Familie und ­jedweden Besitz ab und ziehen in die Hauslosigkeit.

-1500 Phönizien

Die Phönizier haben ihre ­eigenen Familienbräuche. Polygamie ist erlaubt, Heiratsbündnisse werden oft aus politischen und wirtschaftlichen Gründen geschlossen.

-1715

-700 Jerusalem

Fortpflanzung und Familie ­folgen im Judentum einem göttlichen Plan: »Darum ­verlässt der Mann seinen Vater und seine Mutter und hängt an seinem Weibe, und sie ­werden zu Einem Fleische« Gen 2,24

-1114 Mesopotamien

Eine Sammlung von Vorschrif­ten regelt das Leben im Palast: Hofetikette, Palastfrauen, ­verheiratete Frauen im Dienst des Palasts, Eunuchen und Palastpersonal.

-1150 Mesopotamien

Der assyrische König Ninurta-tukulti-Ashshur lebt mit 40 Zweitfrauen. Polygamie ist Statussymbol: je reicher der Mann, desto mehr Frauen. Die Palastfrauen (sekretu) sind isoliert, anders als die Königin.

-9. – -3. Jh. Eurasien

Frauen der Skythen und ­Sarmaten sind gesellschaftlich angesehen und kampferprobt. Sie sind mit Waffen und in Rüstung begraben. Bereits in der Antike werden sie mit den Völkern der Amazonen assoziiert.

-8. Jh. Griechenland

In der Ilias, einem der ältesten schriftlich dokumentierten Werke Europas, prägt die Familie die emotionalen und moralischen Entscheidungen der Charaktere.

-1000 Nordamerika

In den meisten indigenen Kulturen sind Verwandtschaftsnetzwerke erweiterte Familien, die Großeltern, Onkel, Tanten und Cousins einbeziehen.

-1100 China (Zhou-Dynastie)

Das »gewöhnliche Volk« besitzt im Unterschied zum feudalen Adel keine Klannamen. Ahnenkult wird nicht praktiziert und Verwandtschaftsbeziehungen werden einzig nach Generationen unterschieden.

-1000 Ägypten

Die Auswahl des Ehepartners trifft der Vater. Verträge ­werden erst nach Geburt des ersten Kindes geschlossen. Geschwister- und Mehrehen, gleichgeschlechtliche Liebe sowie Scheidungen sind möglich.

-11. Jh. China (Zhou-Dynastie)

Die Dynastische Erblichkeit politischer Funktionen gleicht dem feudalen Stammbaum: Der König (wang) an der Spitze, Söhne und nächste Vasallen auf gleicher Ebene folgend. Vasallenverhältnis und ­Verwandtschaftsbande reichen über 5 Generationen.

-1100 China (Zhou-Dynastie)

Das Lehenswesen knüpft Machtübertragung an Blutslinien. Das Erstgeburtsrecht institutionalisiert Familienhierarchien als Staatsprinzip – Familie und Staat werden strukturell eins.

-900 – -400 Südamerika

Lokale Maya-Herrscher führen ihren Status auf Ahnen und Götter zurück. Tempelbauten spiegeln die zentrale Rolle des Ahnenkults wider. Die Macht wird über die väterliche Linie vererbt.

-700 Jerusalem

Das Konkubinat ist Teil der jüdischen Tradition. Die Neben­frau ist rechtlich aner­kannt, ihr Vermögen verwaltet der Mann, bei Trennung erhält sie es zurück. Ihre Kinder ­zählen zur Familie, mit geringe­rem Status.

-1285

-753 Römische Königszeit

Der Gründungsmythos Roms beginnt mit der Amme Lupa. Die Wölfin säugt und beschützt die beiden Stadtgründer Romulus und Remus, Kinder des Kriegsgottes Mars und der Priesterin Rhea Silvia.

-5. Jh. China

Der Philosoph Mozi 墨子 greift die konfuzianische Fami­lienzentriertheit, verschwenderische Bestattungsfeiern und Ahnenkult an. Er vertritt eine Moral allgemeiner Menschenliebe, die den engen Verwandtschaftskreis sprengt.

-450 Römische Republik

Nach dem Zwölftafelgesetz hat der pater familias die vitae necisque potestas – Macht über Tod und Leben der Familienangehörigen, Hausangestellten und Sklaven. Er vertritt die Familie nach außen.

Ab -5. Jh. Griechenland / Rom

Unerwünschte Babys, insbe­sondere Mädchen, werden am Stadtrand oder in der Nähe von Tempeln ausgesetzt, wie Ödipus in der griechischen Mythologie. Auch in China und Ägypten ist Kindsaussetzung üblich.

-5. – -1. Jh. Indien / Nepal

Der Patimokkha entsteht: Um jegliche Anhaftung an Besitz und Familie zu ­unterbinden, wird für buddhistische Nonnen und Mönche das ­Zölibat eingeführt. Geschlechtsverkehr ist ein Ausschluss­vergehen.

-6. Jh. v. Chr. Römische Republik

Das Wort familia ist erstmals in antiken Texten belegt. Es bezeichnet eine soziale und rechtliche Einheit von allen Personen, die im Haushalt leben und arbeiten, nicht nur Blutsverwandte.

-520 – -510 Cerverteri, Italien

Der Sarkophag des Ehepaars (Paris, Louvre) zeigt Mann und Frau auf einem Bett halb aufgerichtet liegend und ­grüßend. Deutlich wird das Selbstbewusstsein etruskischer Frauen und eheliche Intimität. Sie ist in der griechischen Kunst dieser Zeit selten.

-6. – -5. Jh. China

Das konfuzianische Ritualbuch Yili definiert vier ­Trauergrade nach Verwandt­schaftsdistanz, unterschieden in Trauerzeit und Tracht. Direkte Verwandte (Vater und Großvater) werden lange betrauert, kognatische und verschwä­gerte kürzer.

-5. Jh. China

Liebe, Respekt und Pflichtgefühl des Kindes gegenüber Eltern und Ahnen 孝 (Pinyin xiàoshùn) liegt der Ethik des Konfuzianismus zugrunde. Aus dem Verhältnis zum Familienklan entwickelt sich ein System von Verhaltensregeln und Ansprüchen.

-5. Jh. Naher Osten, Palästina

Die Torah prägt die Familie patriarchal. Stirbt ein Mann ohne Sohn, heiratet sein ­Bruder die Witwe, um das Erbe zu sichern (Leviratsehe). Das Erbe geht an männliche Nachkommen und nur in Ausnahmen an Frauen.

-8. – -7. Jh. Griechenland

In der Odyssee von Homer hat Familie eine zentrale und ­emotionale Bedeutung. Sie steht für Heimat und Zuge­hö­rigkeit. Die Sehnsucht nach der Familie prägt Odysseus Reise und seine Rückkehr nach Ithaka.

-860

-200 China

Das älteste Wörterbuch Erya verzeichnet 340 unterschiedliche Verwandtschaftsbeziehungen. Grundlage der Terminologie sind: Geschlecht, Alter, Generation und Filiation.

-300 Indien

Nicht selten wird die treue ­Ehe­frau nach dem Tod des Ehe­manns auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Erstmals berichtet Alexander d. Gr. von der Tradition der Witwenverbrennung, die bis ins 19. Jh. reicht.

-200 Indien

Die Ehe ist das heilige Sakrament hinduistischer Rechtstexte. Der Vater übergibt die Braut: Mädchengabe. Vielehe ist erlaubt. Die Zweitfrau darf der nächstniederen Kaste angehören.

-100 China

Der Konfuzianismus breitet sich aus. Die Fünf-Bezieh­ungen-Lehre beschreibt Hierarchien in Familie und Gesel­lschaft, ­zwischen Vater und Sohn, Mann und Frau. Respekt und ­Ehrerbietung gegenüber Eltern und Ahnen prägen das Familienverständnis.

-200 Indien

»Ein Brahmane (Priester), der eine Shudra-Frau (aus der Kaste der Arbeiter) in sein Bett holt, wird (nach seinem Tode) in die Hölle sinken; wenn er ein Kind von ihr hat, wird er seinen Rang als Brahmane verlieren.« MS III.17

-356 – -350 China

Die Shang Yangs Rechtsreform zerschlägt Großfamilien und fördert die Etablierung der Kleinfamilie: Das Gesetz »Ein Haushalt, ein Wehrpflichtiger« stärkt die Zentralmacht durch bewusste Schwächung großfamiliärer Klanstrukturen.

-4. Jh. Römische Republik

Adoption stärkt politische ­Allianzen. Ein pater familias darf Personen seines Haushalts zur Adoption freigeben: Kinder, Männer, später auch Frauen. Adoptierte nehmen den Namen des Adoptivvaters an.

Ca. -140 China (Han-Dynastie)

Der Konfuzianismus wird Staats­ideologie. Damit setzt sich eine starke Familienethik durch. Die Kindesehrfurcht 孝 gegenüber den Eltern, die einer der Kernbegriffe konfuzi­anischer Ethik ist, wird zum Auswahlkriterium für Beamte.

-335  – -22 Griechenland

Für Aristoteles bilden drei Beziehungen den Haushalt (oikos): zwischen Herrn und Sklaven, Mann und Frau, Vater und Kindern. Die Familie ist wichtig für die politische Ordnung, zwischen Individuum und Polis.

-375 Griechenland

Platon kritisiert in »Politeia« das Erbrecht. Es führt zu Ungleichheit und sozialen Spannungen. Er empfiehlt, Erbe zu verteilen und Anhäu­fung von Reichtum zu verhindern, um soziale Stabilität zu sichern.

-300 Ägypten

Ptolemaios II. und Arsinoe II. sind das erste griechische Geschwisterpaar auf dem Pharaonenthron. Die Geschwisterehe verstößt gegen griechisches und römisches Recht: »er handelte (...) nach dem Brauch der Ägypter, seiner Untertanen«.

-200 – 200 Indien

Die Manusmriti entsteht: Gesetze über soziale Pflichten und angemessenes Verhalten aus brahmanischer Sicht. Sie ist die wichtigste Textquelle zum Kastensystem.

-430

100 Römisches Kaiserreich

Im klassischen Latein heißen Geschwister des Vaters (patruus, amita) und der Mutter (avunculus, matertera) anders. Im Testament des Patriziers Abbo (739) entfällt die Unterscheidung bereits.

-111 – 939 Vietnam

Unter dem Einfluss Chinas und des Konfuzianismus ist die Familie Basis der sozialen Ordnung. Gehorsamkeit gegenüber den Eltern, der Frau gegenüber Vater, Ehemann und ältestem Sohn ist zentral.

1. Jh. Ägypten

Das neue jüdische Ehegesetz verbietet vorehelichen Sex, Inzest, Heirat mit Töchtern anderer Völker oder Unfruchtbaren, Wiederheirat, Kontakt während der Menstruation und gleichgeschlechtliche Beziehungen.

1. Jh. Jerusalem

Die Taufe von Neugeborenen wird im 2. und 3. Jahrhundert zunehmend üblich, vor allem in der römischen Kirche. ­Familie versteht sich zuneh­mend als geistliche Gemeinschaft, verbunden im Glauben.

1. Jh. Römisches Kaiserreich

Für den römischen Aristokraten ist die Ehe eine von vielen Mög­lichkeiten; für den kaiserlichen Beamten ist sie hundert Jahre später Basis seiner Existenz.

100 Römisches Kaiserreich

Lat. venter benennt Gebär­mut­ter synonym für Frau. Die Römerin ist Gebärerin, Fruchtbarkeit Grundvoraussetzung einer glücklichen Ehe. Unfrucht­barkeit ist Scheidungsgrund.

18 Römisches Kaiserreich

Die Leges Juliae verschärfen unter Augustus Strafen für Ehebruch, Unzucht und Kuppelei. Die Ehe ist verpflich­tend. Kinderreiche Familien sind privilegiert, mit weniger als 3 Kindern benachteiligt.

1. Jh. Römisches Kaiserreich

Die eheliche Gütergemeinschaft besteht faktisch schon lange bevor sie rechtlich sanktioniert wird, sicher schon seit der frühen Kaiserzeit.

99 Römisches Kaiserreich

Für Lukrez ist die Kernfamilie pragmatische Einheit, für Schutz und Fortpflanzung, nicht göttlicher Ordnung oder Moral verpflichtet. Liebe ­­zwischen Eltern, Kindern und Verwandten ist natürlicher Instinkt.

18 Römisches Kaiserreich

Die Lex Iulia de adulteriis, ein unter Augustus erlassenes Gesetz, regelt die Feststellung und Bestrafung des Ehebruchs mit dem Tod durch das Schwert.

0

1. Jh. Römisches Kaiserreich

Augustus verlobt seine ­2jährige Tochter Iulia mit dem 8jährigen Sohn des Gegners Marcus Antonius. Später wird sie von Augustus vor dem Senat des Ehebruchs verklagt und auf die Insel Pandateria verbannt.

200 – 300 Indien

Das Kamasutra wird als Lehrbuch zum kultivierten Lustgewinn von Mann und Frau verfasst, Prostituierte miteinbezogen. Kama (sinnliches Verlangen) zählt im Hinduismus zu den vier Lebenszielen – neben Wohlstand, Rechtschaffenheit und Erlösung.

2. Jh. Römisches Kaiserreich

Für den Juristen Modestinus ist die Ehe »die Vereinigung eines Mannes und einer Frau, eine Verbindung für das ganze Leben, eine Gemeinschaft göttlichen und menschlichen Rechts«. 1 reg. D. 23, 2, 1

2. – 3. Jh. Jerusalem / Antiochia / Römisches Reich

Christliche Gemeinschaften beginnen, die Familie christlich zu interpretieren, wobei monogame Ehe und gegenseitige Zustimmung betont werden.

266 – 420 China China (Jin-Dynastie)

Adelsfamilien kontrollieren durch Heiratsallianzen und Bildungsmonopole den Staatsapparat. Kaiser und Aristokraten bilden ein ­symbiotisches System: Familiennetzwerke dominieren die Staatspolitik.

Ab 2. – 3. Jh. Römisches Kaiserreich

Die große Anzahl an Paardarstellungen auf gallorömischen Sarkophagen weist auf die neue Bedeutung der Ehe als zentrale Achse des Lebens.

2. Jh. China (Han-Dynastie)

Frauen der höheren Gesellschaft sind relativ frei, wie Scheidung und Wiederheirat von Witwen bezeugen. Junge Frauen haben Zugang zu ­Bildung, wie Ban Zhaos Werk »Ratschläge für die junge Frau« (Nüjie) zeigt. Die Wertschätzung der Mutter nimmt zu.

160

4. Jh. Byzantinisches Reich

Der Corpus Juris Civilis Justinians I. regelt Erbrecht, Eigentumsrecht und Rechtsstellung der Frau. Das Kirchenrecht wird zentral für die Ehe als Sakrament, die Scheidung im Ausnahmefall, sowie dem Ehebruch und die Erbschaft.

5. Jh Römisches Kaiserreich

Die römische Tradition der Adoption eines kaiserlichen Nachfolgers und Aufnahme in die agnatische Linie wird aufgegeben. Stattdessen sichert Heirat die Macht, wie in der theodosianischen Dynastie.

5. Jh Römisches Kaiserreich

Synoden der Westkirche ­verlangen dauerhafte Enthaltsamkeit für Kleriker aller Weihegrade.

347 – 420 Dalmatia, Syria Palaestina

Hieronymus entwirft die Vorstellung christlicher Keuschheit in der Ehe, gestützt auf Plutarch und Seneca. Die christliche Ehedoktrin ist vom griechisch-römischen Denken abhängig, v.a. der Stoiker.

4. Jh. Kleinasien (Türkei)

Der heilige Basilius von ­Caesarea gründet eine Wohnstätte für Waisen und bedürftige Kinder.

385 Römisches Kaiserreich

Papst Siricius trifft die ersten Regelungen zu Ehe und Sexualität des Klerus in der Westkirche: Ein Bischof soll nur einmal und eine Jungfrau heiraten und vor der Priesterweihe enthaltsam leben.

475 – 76 Westgotenreich

Der Codex Euricianus ersetzt germanisches Stammesrecht. Ehe- und Erbrechte sind ­formalisiert, Vorschriften zur Vermögensübertragung ­spezifiziert, wie die Vertreterregelung: Anstelle des Sohnes kann der Enkel die Erbfolge antreten.

200 Germania magna

Der Ehebruch der Frau kann bei den Germanen mit dem Tod bestraft werden. Die »Ertappte« wird nackt und mit geschorenem Haar durchs Dorf geführt.

449 Römisches Kaiserreich

Im Scheidungsgesetz des Theodosius gilt sowohl der Ehe­bruch der Frau als auch des Mannes als Scheidungsgrund.

4. Jh. Indien (Bundesstaat Meghalaya)

Die Sippenmutter der Ki Khasi (Die von einer Frau Geborenen) ist geistiges und weltliches Oberhaupt. Sie führt, sorgt und schlichtet für die Großfamilie. Sie überträgt die Verant­wor­tung an die jüngste Tochter in matrilinearer Erbfolge.

330

6. Jh. Römisches Kaiserreich

Die Kirche ist als Groß­grundbesitzer auf Erbschaft angewiesen. Eheverbote, das Tabu für Konkubinat, Wiederheirat und Adoption sowie das Gebot der Enthaltsamkeit verhindern, dass Vermögen nur innerhalb der Familie vererbt wird.

5. – 6. Jh. Indien

Das Erstgeburtsrecht und die Unteilbarkeit des Erbes zulasten der Ehefrau und ­weiterer Kinder werden infrage gestellt. Das Oberhaupt der Großfamilie (joint family) ­verwaltet das Eigentum. Die ­Ehefrau beansprucht Unterhalt (stridhana).

439 – 581 China (Nördliche Dynastien)

Unter der Herrschaft der Xianbei prägt die Nomadenkultur die Geschlechterrollen: Frauen haben in Familienangelegenheiten weitgehende Mitspracherechte, teils autonome Entscheidungsbefugnisse, anders als im konfuzianisch geprägten Patriarchat.

507 – 11 Fränkisches Reich

Die Lex Salica definiert das kognatische Verwandtschaftssystem. Alle, die unter einem Dach schlafen, sind Familie, inkl. der Abhängigen. Grundbesitz »gehört gänzlich den Männern, also den Brüdern«.

6. Jh. Römisches Kaiserreich

Der Corpus Iuris Civilis, unter Kaiser Justinian I. in Kraft gesetzt, enthält Regelungen zu Ehe, Familie, Eigentum und Erbschaft, die bis heute juristisch und ethisch-kulturell nachwirken.

600 Mittlerer Osten / Nordafrika

Im Frühislam dient Polygynie der Versorgung von Witwen und Waisen nach Kriegen. Sie gilt als soziale Absicherung für Frauen und Ausdruck männlicher Verantwortung und familiärer Stabilität.

590 Römisches Kaiserreich

Papst Gregor I. sieht fleischliche Begierde in der Ehe als sündhaft an. Sie widerspreche geistiger Reinheit und führe zu Schuld.

6. Jh Römisches Kaiserreich

»Ehe ist die Vereinigung eines Mannes und einer Frau, eine Lebensgemeinschaft für alle Zeiten, ein Teilhaben an göttlichem und menschlichem Recht.« CICiv, 1.10

650 Vorderasien, Mekka, Medina

Im Koran sind Regeln für Zina (Ehebruch) festgelegt: Vier männliche Zeugen führen den Beweis. »Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, dann verabreicht jedem von ihnen hundert Peitschenhiebe!« Koran 24:2

500

723 Langobardenreich

König Liutprand erlässt das Verbot inzestuöser Eheschließungen, wie die Heirat eines Witwers mit der Schwägerin. Die Einheirat in eine Familie wird der Blutsverwandt­schaft gleichgestellt.

Ende 7. Jh. Westgotenreich

Ein Gesetz verbürgt das Recht der Eltern, die Prügelstrafe anzuwenden bei einem Kind, das sich noch in familia befindet.

7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Mit dem Islam wandelt sich das Familienrecht (Fiqh). Es basiert auf dem Koran, den Hadithen, dem Idschma und den Fatwas muslimischer Juristen und regelt die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern.

681 – 742 Mesoamerika

Durch die Heirat des Herrschers Itzamnaaj B’alam II entsteht in der Maya-Region Yaxchilan ein dauerhaftes Bündnis mit einem benachbarten Maya-Machtzentrum.

7. Jh. Fränkisches Reich

Eines der frühesten Beispiele für organisierte Kinderfürsorge in Europa ist das Pariser Hôtel-Dieu, eine karitative ­Einrichtung, die neben Kranken auch Waisen und verlassene Kinder aufnimmt.

7. Jh. Römisches Kaiserreich

Die Strafen für Ehebruch im Christentum variieren je nach Region – von Bußübungen oder Exkommunikation, Geldstrafen bis zur Todesstrafe.

7. Jh. Westgotenreich

Für Isidor von Sevilla sind ­cognati Blutsverwandte. In den romanischen Sprachen gehören ab dem 4. Jh. auch Nicht-Blutsverwandte dazu, wie Schwägerin und Schwager.

Ab 7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Heiratsverwandtschaft (Musāharah) und Heiratsverbote sind klar definiert, etwa für nahe Verwandte des Ehepartners, wie Schwiegereltern.

7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Im Islam bezeichnet Iddah die Wartezeit, die eine Frau nach der Scheidung oder dem Tod ihres Ehemanns abwarten muss, bevor sie wieder ­heiraten darf. Sie dient der Feststellung der Abstammung und dem Schutz der Rechte der Frau.

Ab 7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Die Regeln zu Abstammung, Erbrecht und Rechten von Blutsverwandten (Nasab) werden festgelegt. Ein Kind gilt als Nachkomme des Vaters, wenn die Ehe rechtsgültig ist.

7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Das islamische Familienrecht betont Gerechtigkeit und ­Fairness, insbesondere bei der Behandlung von Frauen und Kindern. Das Konzept der mahr, einer obligatorischen Mitgift, wird zentral für Ehe­verträge.

660

9. Jh. Sumatra

In den Minangkabau-Gesellschaften haben Frauen eine starke familiäre Rolle. Land und Vermögen werden ­matrilinear vererbt.

7. – 9. Jh. Japan (Nara- und Heian-Zeit)

Haushaltsregister dokumentieren Familienorganisation, Personenzahl, Beziehungsstatus, Alter und Klanzugehörigkeit (uji). Das Oberhaupt eines Hauses (ko) organisiert die Bewirtschaftung der anvertrauten Reisfelder und Zahlung der Abgaben.

8. Jh. Südasien

Arabische Händler, muslimische Truppen und sufistische Missionare bringen den Islam nach Indien. Islamische Einflüsse prägen multikulturelle Gesellschaften und verändern die Familie.

918 Korea

Die Goryeo-Dynastie setzt ­Sillas Gleichstellung fort: Frauen dürfen erben, Besitz verwalten und Ämter ausüben. Der sich durchsetzende Konfuzianismus schwächt ihre Stellung – patriarchale
Strukturen
setzen sich durch.

900 – 1200 Europa

Die Familienrache, faida oder vendetta, erlebt ihren ­Höhepunkt. Bewaffnete ­Banden rächen Beleidigung, ­arglistige Täuschung oder ­Vergewaltigung. Ab 1200 ­übernehmen dies »professionelle Rächer«.

7. – 9. Jh. Japan (Nara- und Heian-Zeit)


Zu einem Haus (ko) können bis zu 100 Personen zählen. Es stellt generationsübergreifend die erweiterte Familie dar: Eltern des Familienoberhaupts, Kollateralverwandte, angeheiratete Verwandte, Dienerschaft und andere.

Ende des 8. Jh. Frankenreich

Das Wort familia bezeichnet in überlieferten Dokumenten die engere Familie: Vater – Mutter – Kinder.

10. Jh. Frankenreich / Heiliges Römisches Reich

Sein Auflehnen gegen Bruder Otto d. Großen begründet Heinrich I. von Bayern damit, dass Otto zwar Primogenitus des Herzogvaters sei, er aber Porphyrogenitus (Purpurgeborener) des Königvaters.

7. – 9. Jh. Japan (Nara- und Heian-Zeit)

Verwaltungsverordnungen ­zielen auf Vereinheitlichung der Haushaltsstrukturen »freier Untertanen«. Der älteste ­legitime Sohn chakushi (Hauptkind) ist Nachfolger des Hausherrn. Seine jüngeren Geschwister sind shoshi, gewöhnliche Kinder.

Ab 7. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Ridā‘ (Milchverwandtschaft): Wer von derselben Frau gestillt wird, gilt als verwandt­schaftlich verbunden und darf nicht heiraten, beruhend auf dem Koran (4:23) und Hadithen.

8. – 13. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

In der abbasidischen Periode wird das islamische Recht bezüglich Verwandtschaft, Ehe und Kinder systematisiert. Sunnitische und schiitische Schulen entwickeln Regelwerke auf Basis von Koran, Hadith, Konsens und Argumentation.

830

1070 China (Song-Dynastie)

Durch die Wang Anshis Reform setzt sich das Baojia-System durch. Familien werden in ein Überwachungsnetz einge­bunden und stehen verstärkt unter staatlicher Kontrolle.

10. – 12. Jh. Heiliges Römisches Reich / ­Kirchenstaat / Normannisches Königreich

Die Erbfolge des Vornamens vom Großvater auf den ­erst­ge­borenen Enkel sichert in Amalfi und später in der Toska­na das Fortleben der Sippe und den Nachweis der Abstammung über die männliche Linie.

Ab 1000 Europa

Der Friedhof bei einer Pfarrkirche wird wichtigster sozialer und struktureller Bezugspunkt für die Familie, sie siedelt um ihn herum. Familiengräber festigen Genealogie und Identität. Sie werden zum kollektiven Gedächtnis.

8. – 13. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Ein Kind gilt nur dann als legitim, wenn es in einer gültigen Ehe geboren wird; ­andernfalls hat es keine rechtliche Bindung an den Vater.

8. – 13. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika MENA

Formelle Adoption (tabannī) ist verboten, jedoch wird die Vormundschaft (kafāla) gefördert. Söhne und Töchter haben einen festen Erbanteil (Koran 4:11), wobei Männer meist den doppelten Anteil erhalten.

10. Jh Kongo

Familien im Kongo leben in großen, patrilinearen Verbän­den. Mehrere Generationen wohnen oft zusammen und verehren ihre Ahnen. Sie bilden enge soziale und wirtschaftliche Einheiten, geprägt von gemeinsamer Arbeit und gegenseitiger Unterstützung.

1000

1100 Nordamerika

Die Irokesen (Haudenosaunee) sind matrilinear orientiert. Die Frau ist Familienoberhaupt. Haus, Land und Ernte sind ihr Eigentum. Nach der Heirat zieht der Mann in ihr Langhaus, die Kinder sind Teil ihres Klans.

1100 Naher Osten, Babylon

Trotz des Verbots der Polyga­mie wird die Doppelehe für Juden gestattet, da Bigamie nicht gegen das jüdische Gesetz verstößt. Vom 10.–12. Jh. ist Polygynie im mediterranen Osten verbreitet.

Spätes 11. Jh. Indien

Der Rechtskommentar des Mitāksarā festigt die Theorie der Vererbung durch Geburt. Der Sohn hat Erbansprüche und Anteil am Besitz des Vaters (joint family-System).

8. – 13. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

Mütter haben das primäre Sorgerecht (Hadānah) für kleine Kinder, aber die Väter behalten die rechtliche Vormundschaft.

Ab 1100 Heiliges Römisches Reich / Frankenreich

Die Tochter verliert, sobald sie eine Mitgift bekommt und geheiratet hat, ihre Rechte auf einen Erbteil des Elternpaares.

Um 1100 Tours, Anjou

»Über das Früher weiß ich nichts, weil ich nicht weiß, wo meine Vorfahren begraben sind.« Fulko von Anjou

1085

11. – 12. Jh. Indien

Die Mitāksarā-Rechtsschule entwickelt eine Theorie der Blutsverwandtschaft über ­sieben Generationen (sapinda) und definiert ein Eheverbot bis zum achten Verwandt­­schaftsgrad.

12. Jh. Mittlerer Osten / Nordafrika

In islamischen und jüdischen Gemeinschaften versteht sich die väterliche Verwandtschaftsgruppe als Teil des bayt (Haus des Vaters) und erkennt sich am Familiennamen, der vom Beinamen eines Vorfahren abgeleitet ist.

12. Jh. Britische Inseln

Der Familienklan existiert fast nur noch in den keltischen Ländern. Trotzdem bleibt er tief verwurzelt.

1139 Kirchenstaat

Im 2. Lateran-Konzil wird das Zölibat zum Gesetz: Katholischen Priestern ist die Ehe und das Konkubinat verboten.

12. Jh. Sumatra

Die patriarchalisch geprägten Werte islamischer Gesetze ­ste­hen im Widerspruch zur matrilinearen Tradition der Minangkabau. Sie nehmen den Islam an, behalten jedoch einige ihrer matriarchalen Bräuche bei, was zur kulturellen Synthese beider Traditionen führt.

Um 1198 Kirchenstaat

Papst Innozenz III. lässt als Erster an den Pforten der Findelhäuser sogenannte Drehladen (Torno) zur anonymen Abgabe von Babys anbringen – die erste im Ospedale di Santo Spirito in Rom.

12. Jh. Europa

Der Familienname findet zunehmend Verwendung als Nachname, um Personen ­eindeutig zu identifizieren, z. B. durch Beruf, Herkunft oder Eigenschaften. Er wird auf die Nachkommen übertragen.

11. – 15. Jh. Naher Osten

Das Levirat, die Ehe der Witwe mit dem Bruder ihres verstor­benen Mannes, sowie Bigamie, das Heiraten zwischen Kindern, ist im Judentum gebräuchlich.

1165

13. Jh. Heiliges Römisches Reich

Die alberghi in Genua vereinen ihre familiären Seitenzweige zu einem albergo, unter einem Namen und Wappen, mit Fami­lienrat und Schiedsrichter für die private Gerichtsbarkeit. Heiraten innerhalb der eigenen Gruppe stärkt politische Macht und bietet strategische Vorteile.

13. Jh. Königreich Sizilien

Über die Namensweitergabe bleiben Sippen auf Dauer mobile Einheit. Stammbäume des italienisch-byzantinischen Adels in Amalfi, Neapel oder Bari bezeugen Namen und Nachkommenschaft über 12 Generationen.

13. Jh. Heiliges Römisches Reich / Frankenreich

Der Zusammenhalt der adligen paraiges in Metz gründet auf Abstammung mütterlicherseits. Spuren der germanischen ­Tradition einer Verwandtschaft über beide Elternlinien finden sich auch bei den Patriziern Straßburgs.

13. Jh. Republik Siena

Die Stadt wird in Contrade eingeteilt, administrative und soziale Einheiten, die auf familiären Netzwerken basieren, ihre politische Stellung stärken und die soziale Ordnung ­stabilisieren. Sie prägen das städtische Leben und die Verwaltung.

1248 Köln

Albertus Magnus ordnet den Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft unter die verzeihlichen Sünden ein.

12. – 13. Jh. Heiliges Römisches Reich / Kirchenstaat

Klöster und Kirchen richten Heime ein zur Erziehung und Versorgung von Waisen und verlassenen Kindern. Das Santo spirito in Sassia in Rom aus dem 12. Jh. nimmt Waisen und ausgesetzte Kinder auf.

Ab 13. Jh. Frankenreich

Als Könige setzen die Kape­tinger die Primogenitur durch: Erstgeborene treten Erbe und Rechtsnachfolge an. Dies führt zu vergrößerten ­Territorien bis hin zum französischen Nationalstaat, aber auch zur Zersplitterung großer Familiengruppen.

Um 1260 Kirchenstaat

Thomas von Aquin empfiehlt »ein wenig Reue«, wenn man beim Geschlechtsakt zu große Lust empfunden hat.

1248 Kleinasien, Ephesos

In den Klosterregeln des von Nikephoros Blemmydes gegründeten Konvents ist festgelegt, dass ein Kind mit 10 Jahren (freiwillig) eintreten darf.

1200 Nordamerika

Ein unberechenbares Klima verändern Lebenssituation und Familienstrukturen der Pueblo people. Es kommt verstärkt zu sozialen Konflikten.

1250

14. – 20. Jh. Osmanisches Reich

Die Mutter ist hochgeschätzt, so das Sprichwort: »Das ­Paradies liegt unter den Füßen der Mutter«. Die Mutter des Sultans hat mehr Einkünfte als andere Verwandte. Diese Ehre wird auch der Amme zuteil, wenn die Mutter stirbt.

Ab 1320 Japan

Mit Abschaffung der Teilung der Erbfolge ist Gefolgschaft wichtiger als Abstammung. Symbolische Eltern-Kind-Beziehungen sichern Verbun­denheit: Vorgesetzte heißen yori oya (Eltern, Vater, Oberhaupt), Untergebene yoriko (abhängiges Kind).

13. – 18. Jh. Mittelfrankreich

Stille Gemeinschaften (30 – 40 Personen) wirtschaften und leben unter einem Dach, teilen Topf und Herd. Ein gewählter Schulze vertritt die Gemeinschaft nach außen, die Schulzin regelt Haushalt, Versorgung und Kinderaufzucht.

1356 Heiliges Römisches Reich

Die Goldene Bulle legt fest, dass in den weltlichen ­Kurfürstentümern der älteste Sohn erbt. Andere Gebiete, wie z. B. Sachsen und Kurpfalz, können von den Kurfürsten unter den Erben aufgeteilt werden.

14. – 17. Jh. China (Ming-Dynastie)


Die institutionalisierte Keuschheitskultur sieht staatliche Ehrungen für Witwen vor, die nicht wieder heiraten.

13. – 15. Jh. Nordeuropa

Die Kleinfamilie setzt sich in weiten Teilen Europas durch, besonders in Nordwesteuropa. Das Zusammenleben bleibt jedoch vielfältig: mehrere eheliche Gemeinschaften existieren in unterschiedlichen Organisationsformen.

14. Jh. Keltisches Irland

Toleriert von den Päpsten in Avignon setzen sich Dynastien von Priestern und Bischöfen über das Zölibat hinweg, leben in Ehegemeinschaften und übertragen religiöse Ämter vom Vater auf den Sohn.

14. – 15. Jh. Heiliges Römisches Reich / Papststaat / Königreich Neapel

Die Blutsrache (casato) hält Familien zusammen. Sie ist streng über die Väterlinie organisiert. In Bologna bringt man dem Bruder das blutige
Hemd
des Toten als Zeichen seiner Pflicht und erlittenen Schmach.

Ab 13. Jh. Malaysia / Indonesien

Mit Einführung des Islam stehen Familien unter islamischen Rechtsvorschriften, wie der Scharia. Sie nehmen Einfluss auf Ehe, Familienstrukturen, Besitz- und Erbrecht.

13. Jh. Osmanisches Reich

Im Gegensatz zu europäischen Mythen ist Sexualität im Harem streng geregelt. Er dient der Kontrolle innerhalb der dynastischen Reproduktionspolitik. Harem stammt vom Wort hrm, das verboten, tabu und heilig bedeutet.

14. – 18. Jh. Elfenbeinküste

Königreiche wie Baoulé und Kong blühen durch Handel mit Gold und Elfenbein. Starke Fami­lien­strukturen und soziale Ordnung prägen das Leben vor dem transatlan­tischen Sklavenhandel und der Kolonialisierung.

Bis 1320 Europa

Der polnische Adel lebt nach einem Sippenmodell, das sich über die Herzogtümer erstreckt. 30 Klans, jeder mit einem eigenen Kriegsschrei, können auf Befehl ihres Anführers ihre bewaffneten Gefolgsleute im Handumdrehen versammeln.

1350

15. Jh. Königreich Neapel

Vor dem 11. Jh. bis nach der christlichen Rückeroberung und vor ihrer Ausweisung 1492 ist die Kusinenehe und die Heirat der Kreuzkusine mütterlicherseits in der jüdischen Gemeinde Siziliens erlaubt.

15. Jh. Naher Osten

Im Gebiet des Islam ist die Heirat mit einer patrilinearen Kusine die bevorzugte Eheform. Im christlichen Europa wird sie zu dieser Zeit offiziell als Inzest gewertet, aber praktiziert.

15. Jh. Europa

Die Totentrauer folgt dem Rhythmus religiöser Feiertage und kommt unter kirchliche Kontrolle. Das Ehepaar wird mit einem neuen Typus der Grabstätte zur Einheit stilisiert.

Ab 1452 Europa

Hexenprozesse dienen der gezielten Einschüchterung und Machtsicherung von ­Kirche und Staat. Besonders alleinstehende oder verwitwete Frauen mit Heilwissen werden als Hexen verfolgt – 80 % der Opfer sind Frauen.

15. – 16. Jh. Nordindien

Unter islamischem Einfluss schützt der parda (Schleier) Frauen der oberen Kasten in der Öffentlichkeit – weniger die der niederen, wo die Kleinfamilie überwiegt, Scheidung und Wiederheirat häufig sind.

Ca. 1450 Nordamerika

Männer der Irokesen ziehen nach der ­Heirat in das Langhaus ihrer Frau und leben dort als Teil ihrer neuen Familie (Matrilokalität).

15. Jh. Europa

Heiratsverbot und Zölibat für Geistliche stärken die Bindung zwischen Onkel und Neffen. Der Neffe wird Ersatzsohn kin­derloser Geistlicher, Nepotismus zentral für familiären Zusammenhalt und Machtüber­tragung. Er ist Vorreiter der kirchlichen Vetternwirtschaft.

15. Jh. Korea

Ideologen reformieren die koreanische Dynastie und den Neo-Konfuzianismus aus China ein, um die liberalen Goryeo-Politiken zurück­zudrängen.

15. Jh. Osmanisches Reich

Der osmanische Imperialismus verändert die Haremsherrschaft: Frauen gewinnen politische Macht. Diese bis ins 17. Jh. reichende Epoche gilt als »Herrschaft der Frauen«.

1420

16. Jh. Heiliges Römisches Reich, ­Sächsischer Reichskreis

Für Martin Luther ist die Ehe gottgewollt, Keimzelle der Gesellschaft, Ort der Liebe, Erziehung und gegenseitigen Unterstützung.

1522 Heiliges Römisches Reich

Der contractus mixtus in Martin Luthers »Schriften zur Ehe« weist dem Staat die Regelung von Ehe- und Familienangelegenheiten zu, da sie göttliche und gesellschaftliche Dimensionen haben.

1523 Mexiko

Eine europäische Delegation von 12 Franziskanermönchen erreicht Mexiko und soll die christliche Missionierung der indigenen Bevölkerung vorantreiben. Ihre Zahl ist eine Metapher für die 12 Apostel Jesu.

Beginn 16. Jh. Frankreich

Mit dem Wegfall der alten Erbregeln entstehen neue Formen der Erbteilung. Das Nutzungsrecht an Gemeinschaftsland und die Erlaubnis, innerhalb der eigenen Gruppe zu heiraten, führen zur Aufteilung des Bodenbesitzes. Gleichzeitig wird die Kernfamilie stärker.

Ab 16. Jh. Nordwesteuropa

Das etablierte Modell der Kernfamilie und die aufkom­menden frühkapitalisti­schen Strukturen treiben sich gegenseitig voran.

15. – 16. Jh. England

Um den Grundbesitz zusam­men­zuhalten setzt sich das Verfahren zur Erbübertragung des Hofes auf ein einziges Kind, meist den Erstgeborenen, durch.

1510 Indien

Alfonso de Albuquerque, ­Gouverneur von Portugiesisch-Indien, untersagt das Ritual der Witwenverbrennung (Sati) in Goa, einige Jahre später auch der Sikh-Führer Guru Amar Das in Punjab, jedoch ohne Erfolg.

16. Jh. Europa

Bis gegen Ende des 18. Jh. stirbt jedes vierte Kind vor Vollendung des ersten, ein weiteres Viertel vor Vollendung des 20. Lebensjahrs. Von 5 Kindern überleben 3 die eigenen Eltern.

16. Jh. Mexiko

Missionare vertreiben ille­gitime Kinder polygamer Ehen und sog. inzestuöser Verbindungen aus dem Elternhaus. Es sind die ersten Verlassenen, die für die Kolonialgesell­schaft zur »Plage«, für die Spanier zur ­billigen Arbeitskraft werden.

1511 – 50 Mexiko

Während der spanischen Eroberung sterben durch eingeführte Krankheitserreger in verheerenden Epidemien – je nach Region – zwischen 50 – 90 % der indigenen Bevölkerung.

1552 Maya-Region

Zur Missionierung und ­Kontrolle wird die indigene Bevölkerung massiv zur Umsiedlung gezwungen. Existentielle ökonomische Krisen und die Auflösung von Verwandtschaftsbünden folgen.

16. Jh. Heiliges Römisches Reich, ­Sächsischer Reichskreis

»Ein Mann ohne Frau ist wie ein Herd ohne Feuer
Martin Luther

1500

1552 – 53 Maya-Region

»Und ich befehle auch, dass der Mann oder die Frau, die des Ehebruchs überführt (...) wird, mit hundert Peitschenhieben bestraft und übel zugerichtet wird.«
Ordenanzas des Franziskaners
Tómas López Medel für Yucatán

Ab 1540 Peru / Mexiko

Die christliche Ehe ist Realität: Dem Franziskaner Motolinía zufolge leben indigene Gemeinschaften Mexikos »fast alle im Gesetze der Ehe«. Die polygamen Strukturen werden oft zugunsten des Konkubinats aufgelöst.

1552 – 53 Maya-Region

»dass jeder Indio, der mehrere Ehefrauen hat, diese dem Bischof oder einem Geistlichen zeigen sollte, damit sie prüfen, welche die rechtmäßige ist, und sie ihm diese geben, und die anderen ihn verlassen.«
Ordenanzas des Franziskaners
Tómas López Medel für Yucatán

1536 Region Zentralmexiko

Das Colegio de la Santa Cruz de Tlatelolco wird eröffnet. Es dient der Ausbildung der Söhne des indigenen Adels und vermittelt Staatswissen und soziale Normen der Kolonialherren.

1563 Heiliges Römisches Reich

Das Konzil von Trient erklärt Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Kranksalbung, Weihe und Eheschließung zu den ­sieben Sakramenten. Die Taufe befreit die Nachkommen Adams von der Schuld der Erbsünde.

1552 Maya-Region

Spanische Mönchsorden betreiben die Missionierung mit aller Härte. Bekämpft ­werden indigene Erziehungs- und Heiratspraktiken. Polygamie wird verboten. Kinder werden in Missionsschulen streng christlich erzogen.

1565 – 1898 Philippinen

Mit der spanischen Kolonisierung geraten indigene Fami­lienstrukturen unter Druck. Christliche Werte und die Taufe werden eingeführt. Die katholische Kirche fördert die monogame Ehe.

15. – 16. Jh. Indien

Die flexible Familienorganisa­tion der Kaikkolar-Weberkaste im Tamilenland sichert Mobi­lität. Die Weberkasten des Sindh im Nordwesten Indiens prägt die erweiterte Familie mit variabler Arbeitsteilung.

16. Jh. Südasien

Das Scharia-basierte Familien­recht wird unter den Mogulen eingeführt. Muslimische ­Familien werden nach islamischem Recht organisiert – das stärkt die Position von Frauen im Erbrecht und in der Ehe.

1537

Ab 15. Jh. Japan (Muromachi-Zeit)

Adoption ist für die Familienorganisation aller sozialen Schichten wichtig. Sie sichert den Fortbestand des Hauses. Der / die Adoptierte (yoshi / yoyo) ist oft halbwüchsig oder erwachsen und muss sich mit dem Adoptivhaus identifizieren.

Ab 1596 Sumatra

Während der Kolonialzeit ­fördern Kolonialmächte, wie die Niederlande und später das Vereinigte Königreich, patriarchale Strukturen durch ihre Verwaltungssysteme, die Männer in Positionen der Macht begünstigen.

1583 Nordamerika

Englische Siedler gründen in Virginia die erste Kolonie, mit tiefgreifenden Folgen für indigene Kulturen, wie einge­schleppte Krankheiten oder den »Columbian Exchange«, der Austausch von Pflanzen und Tieren von Ost nach West.

1500 – 1900 Osmanisches Reich

Das religiös definierte Millet-System integriert Christen und Juden, mit Einfluss bis in die Gegenwart. Sie erhalten Schutz und Autonomie im Familienrecht, geregelt durch ihre religiösen Autoritäten.

15. – 17. Jh. Frankreich / Habsburg / Kirchenstaat

In Venedig, Florenz und Paris öffnen kommunale Waisenhäuser, 1445 das Ospedale degli Innocenti (Florenz), finanziert von der Zunft der Seidenmacher und Goldschmiede. Bis 1875 werden Neugeborene anonym abgegeben.

Ende des 15. Jh. Nordamerika

In vielen Kulturen Nordame­ri­kas ist die Heirat innerhalb des eigenen Klans (Endogamie) verboten. Stattdessen heiraten Männer und Frauen in andere Klans hinein, was auch die Verbindungen zwischen den Klans stärkt (exogam).

1575

17. Jh. Heiliges Römisches Reiche / Frankreich / Großbritannien

Hexenverbrennungen erleben ihren Höhepunkt. Sie zerstören das Gefüge von Gemeinschaf­ten und Familien.

17. Jh. Argentinien / Bolivien / Paraguay

Spanische christliche Missionen unterbinden Trennung und Scheidung von Eheleuten und verbieten polygame Ehen und Beziehungen. Fami­lienstrukturen verändern sich, werden moralisiert oder illegalisiert.

Spätes 16. Jh. Europa

Das späte Heiratsalter junger Frauen prägt das demografische System. Die Periode der Fruchtbarkeit ist um 10 Jahre verkürzt: die Hauptwaffe der Empfängnisverhütung. Im Durschnitt werden pro Ehe sieben Kinder geboren.

1619 Nordamerika

Ein niederländisches Schiff bringt erste versklavte Afrikaner*innen nach Jamestown, Virginia. Dies markiert den Beginn der afrikanischen Sklaverei in den britischen Kolonien.

17. Jh. Europa

Vor der Industrialisierung herrschen Landbau und Heimarbeit vor. Familienmodelle unterscheiden sich bei Landbevölkerung, Adligen und ­Bürgern. Die Familie ist eine Produktionseinheit. Haushalte können mehrere verwandte Paare integrieren.

Spätes 16. Jh. Europa

Das durchschnittliche Heiratsalter steigt für junge Männer auf 29 – 30 Jahre, für Frauen auf 23 – 26 Jahre. Jede vierte Heirat ist eine Zweitheirat. Die Autonomie des Ehepaars wird gestärkt und zum Zentrum der Familienbeziehungen.

Um 1638 Frankreich

Der spätere Sonnenkönig Louis XIV als Säugling mit seiner ersten Amme, la Dame Longuet de La Giraudière. Sie gehört zum königlichen Haushalt, ihre Biografie ist nicht umfassend dokumentiert.

1612

1650 Nordamerika

Die Biberkriege führen zu gesellschaftlichem Wandel bei den Irokesen, etwa durch die Adoption gefangener
Feinde
, um Bevölkerungsverluste auszugleichen.

16. – 19. Jh. Afrika


Während der »Middle Passage« werden 12,8 Millionen Afrikaner gewaltsam über den Atlantik verschleppt. Familien werden brutal auseinandergerissen – Männer, Frauen und Kinder getrennt. Sie leiden ­leiden unter unmenschlichen Bedingungen an Bord.

1665 Nordamerika

Maryland verabschiedet das erste britische Kolonialgesetz, das die Versklavung »weißer« Frauen anordnet, die »schwarze« Männer geheiratet haben.

Ab 1600 Japan (Edo-Zeit)

Das ie (Haus / Herd) ist die Keimzelle japanischer ­Gesellschaft: Wohnung, ­Vermögen und soziale Gruppe unter einem Dach, mit ­patrilinearer Filiation. Nachbarschaftliche Beziehungen sind kaum ­unterschieden von Blutsverwandtschaft.

Ab 1660 Nordamerika

Versklavte Mütter sind zentral für die emotionale Stabilität und Erziehung der Kinder unter schwersten Bedingungen. Die Mutter-Kind-Bindung ist primär, da Väter häufig getrennt oder verkauft werden.

1649 Frankreich

Empfängnisverhütung ist im 17. Jh. unüblich, Kinderreich­tum Privileg der begü­terten sozialen Schichten. Der Abstand zwischen den Geburten ist hier mithilfe der Ammenaufzucht besonders niedrig.

1660 Nordamerika

Sklavenheirat ist rechtlich nicht anerkannt. Viele versklavte Menschen schließen symbolische Ehen und ­gründen Familien innerhalb der Gemeinschaft. Durch ­Verkäufe oder Gewalt werden sie oft zerrissen.

1662 Nordamerika

Ein Gesetz in Virginia macht die Sklaverei erblich: Die ­Kinder von Sklavinnen sind mit Geburt versklavt (partus sequitur ventrem), unab­hän­gig von der Identität des Vaters.

1661 Nordamerika

Virginia verabschiedet das erste Gesetz, das die lebenslange Sklaverei erlaubt. ­Menschen, die »anders als durch Vertrag« arbeiten, ­können lebenslang Sklaven sein.

1650

1691 Nordamerika

Der Commonwealth of Virginia verbietet alle Ehen zwischen verschiedenen »Rassen« und droht bei Zuwiderhandlung weißen Männern und Frauen mit Exil, das meist das Todesurteil bedeutet.

1689 England

John Lockes Werk »Two Treatises of Government« zielt auf individuelle Rechte, Erziehung und Nichteinmischung des Staates in Familienangelegenheiten. Es beeinflusst die moderne Sichtweise auf Familie in Europa.

1717 Preußen

In Preußen wird unter ­Friedrich Wilhelm I. eine allge­meine Schulpflicht eingeführt.

Ende 17. Jh. Nordamerika

Europäische Siedler führen in indigenen Gemeinschaften patriarchale Familienstruk­turen ein, in denen Männer dominieren und Frauen den Haushalt führen.

1706 – 12 Preußen

Anfang des 18. Jahrhunderts steht Preußens Monarchie auf dem Spiel, weil das Königspaar viele Kinder im Kleinkindalter verliert und kein männlicher Erbe in Sicht ist.

1698 Heiliges Römisches Reich, ­Reichskreis Sachsen

Das Franckesche Waisenhaus in Halle wird gegründet. Es ist eine der bedeutendsten Einrichtungen für Waisen und bedürftige Kinder.

1666 Kongo

Die Schlacht von Mbwila ­zerstört das Königreich Kongo. Por­tugie­sische Truppen töten den König und verschleppen Tausen­de. Familien werden brutal ­auseinandergerissen, Kinder, Frauen und Männer versklavt. Soziale Ordnung und familiäre Strukturen brechen zusammen.

1687

18. Jh. Europa

Während der Aufklärung sollen Sinti und Roma zu bürgerlichen Personen »erzogen« werden. Das Erziehungspro­gramm verbietet ihre Sprache und reißt Kinder aus Roma-Familien, um sie christlich zu erziehen.

18. Jh. Nordamerika

Versklavte Frauen werden gezwungen, die Kinder ihrer Sklavenhalter zu stillen, ­hatten aber oft keine Milch mehr für ihre eigenen. Ihre Babys leiden Hunger, manche sterben.

18. Jh. Heiliges Römisches Reich

Die böse Stiefmutter ist fester Bestandteil von Volksmärchen, Romanen oder bürgerlichen Dramen. Fast ein Viertel aller Ehen sind Zweitehen, jedes zweite Kind kommt in die Obhut von Stiefmutter oder -vater.

Ab 18. Jh. Europa

Mit neuen Industriezweigen (z. B. Textilindustrie in England) bilden sich neue Familien­verhältnisse und -strukturen. Besondere weibliche Kenntnisse verschwinden, soziale Klassen entstehen mit ­eigenen, oft antagonistischen Familienmodellen.

18. Jh. Zentraleuropa

Die sozialen Repressionen der Industrialisierung trägt die erweiterte Familie. Auf ihr fußt das System, da es noch keine kollektive oder gar staatliche Struktur sozialer Fürsorge gibt.

18. Jh. Heiliges Römisches Reich

Naturphilosophie und Aufklärung prägen die Sicht auf Sinn und Zweck von Ehe und Familie. Joachim Heinrich Campe, Begründer der Kinderpsychologie, hinterfragt Rollenbilder jenseits religiös-moralischer Wertung.

18. – 19. Jh. Europa

Mit Industrialisierung und Urbanisierung steigt die Zahl der Waisen und vernach­lässigten Kinder. Staatliche Kinderheime werden ge­gründet, wie 1741 das Foundling Hospital London oder Waisenhäuser sozialer Reformbewegungen in Deutschland.

18. – 19. Jh. England

Da Ehescheidungen teuer und für Frauen unmöglich sind, verkauft der Mann seine ­Ehefrau auf dem Markt. Der Wife Sale ist informelle Praxis. Er fußt auf fehlendem rechtlichen Schutz der Frau und wird mit Reform des Scheidungs­rechts unüblich.

1725

1794 Preußen

Im Allgemeinen Landrecht ist Familie die zentrale soziale Einheit. Das Mindestalter für die Ehe ist auf 18 Jahre (Männer) bzw. 14 Jahre (Frauen) festgelegt, ebenso die väterliche Autorität und eheliche Pflichten.

1789 – 1799 Frankreich

Reformen der Familienpolitik zielen auf Säkularisierung der Ehe, Einführung des Scheidungsrechts und rechtliche Gleichstellung von Kindern. Unter Napoleon werden jedoch viele Errungenschaften rückgängig gemacht.

1762 Frankreich

In »Émile oder Über die Erzie­hung« preist Jean-Jacques Rousseau die Familie an: ihre erzieherische Funktion, ihre Förderung emotionaler Bindungen, ihre »natürlichen« Lebensweisen sowie ihre Gewährung individueller Freiheiten.

Vor 1780 Grönland

In traditionellen Inuit-Struk­turen sorgen die Familie und die Gemeinschaft für die Erziehung der Kinder. Ehen und Partnerschaften sind ­flexibel und leicht aufzulösen, solange das Kindeswohl garantiert ist.

1791 Frankreich

Olympe de Gouges fordert in der »Declaration of the Rights of Woman« Gleichberechtigung in Ehe, partnerschaftlicher Familie, Eigentumsrecht und Politik. Ihre Forderungen werden abgelehnt. Als »unnatürliche« Frau wird sie 1793 hingerichtet.

1794 Preußen

Im Allgemeinen Landrecht ist Familie die zentrale soziale Einheit. Das Mindestalter für die Ehe ist auf 18 Jahre (Männer) bzw. 14 Jahre (Frauen) festgelegt, ebenso die väterliche Autorität und eheliche Pflichten.

1789 – 1799 Frankreich

Reformen der Familienpolitik zielen auf Säkularisierung der Ehe, Einführung des Scheidungsrechts und rechtliche Gleichstellung von Kindern. Unter Napoleon werden jedoch viele Errungenschaften rückgängig gemacht.

1762 Frankreich

In »Émile oder Über die Erzie­hung« preist Jean-Jacques Rousseau die Familie an: ihre erzieherische Funktion, ihre Förderung emotionaler Bindungen, ihre »natürlichen« Lebensweisen sowie ihre Gewährung individueller Freiheiten.

Vor 1780 Grönland

In traditionellen Inuit-Struk­turen sorgen die Familie und die Gemeinschaft für die Erziehung der Kinder. Ehen und Partnerschaften sind ­flexibel und leicht aufzulösen, solange das Kindeswohl garantiert ist.

1791 Frankreich

Olympe de Gouges fordert in der »Declaration of the Rights of Woman« Gleichberechtigung in Ehe, partnerschaftlicher Familie, Eigentumsrecht und Politik. Ihre Forderungen werden abgelehnt. Als »unnatürliche« Frau wird sie 1793 hingerichtet.

1762

19. Jh. Ägypten

Die Nahda ist eine arabische Erneuerungsbewegung. Der Jurist Qasim Amin fordert Bildung und Rechte für Frauen, was Reformen anstößt und spätere Frauenbewegungen in mehreren Ländern prägt.

19. Jh. Ghana / Togo / Kamerun / Gabun

Lineagestrukturen der Verwandtschaftssysteme passen sich den wirtschaftlichen Gegebenheiten an und tragen zur kolonialwirtschaftlichen Effizienz bei. Die Kaffee- und Kakaoplantagen werden von großfamiliären Gemeinschaften bewirtschaftet.

19. Jh. Osmanisches Reich

In Städten wie Istanbul ­dominiert die Kleinfamilie. Die Nachbarschaft spielt eine ­zentrale Rolle und verbindet Arm und Reich auf religiöser Basis. Der Familienbegriff erstreckt sich auf die Nachbar­schaft, die sich gegenseitig unterstützt.

19. Jh. Zentraleuropa

Ausdifferenzierung von Arbeits­hierarchien und sozialen ­Gruppen, Produktionszwänge und zunehmende soziale Mobilität lassen Familientypen anwachsen. Letztendlich setzt sich ein uniformes Familienmodell durch.

19. Jh. Indien / Bangladesch

Die Kindersterblichkeit ist bei besitzlosen Familien der niederen Kaste hoch. Um zwei männliche Nachkommen zu sichern, muss die Frau sieben Kinder gebären. Als junge Arbeitskräfte müssen sie oft die Rolle des Haushaltsvorstands übernehmen.

Um 1800 Indien

»Es ist ein Grundsatz, den die alten Schriften lehren und der allgemein beachtet wird, daß eine Frau dazu geschaffen ist, in einem Zustand dauernder Abhängigkeit und Unterwerfung zu bleiben (...).«
Abbé Dubois, 1825

19. Jh. Zentraleuropa

Lohnniveau und Qualifikation nehmen Einfluss auf Familienmodelle und -strukturen. ­Traditionelle Rollen von Mann und Frau werden infrage gestellt, Hierarchien zwischen Junioren und Senioren lösen sich auf, Wissenstransfer geht verloren.

19. Jh. Elfenbeinküste / Kamerun

Die Lineageorganisation der Großfamilie ändert sich tiefgreifend. Matrilineages und Patrilineages lösen sich auf. Kleinfamilien bewirtschaften Parzellen als Privateigentum, während das Land nach alter Bodenordnung Gemeineigentum ist.

1804 Französisches Kaiserreich

Der Code Napoléon stärkt die Familie als zentrale gesell­schaftliche Einheit. Nach der Revolution sinkt die Geburtenrate. Familienkassen sollen das Bevölkerungswachstum anregen.

19. Jh. Zentraleuropa

Die Entwicklung industrieller Produktion mit neuen sozialen und ökonomischen Bedingun­gen lässt die Arbeiterschaft zunehmend zu Methoden der Empfängnisverhütung greifen.

1800

1810 Französisches Kaiserreich

Im Strafgesetzbuch (Code pénal) ist Ehebruch der Frau immer Scheidungsgrund; beim Mann nur, wenn seine Konkubine in der ehelichen Wohnung verkehrt. Der Ehemann bleibt straffrei, wenn er seine ertappte Frau oder deren Liebhaber tötet.

1816 – 49 Preußen

Armut und Hungersnot drängen Menschen in die Stadt. Die Einwohnerzahl Berlins steigt von 200.000 (1816) auf 450.000 (1849). Beengte, dunkle, unhygienische Wohnverhältnisse sind vor allem in den Armenvierteln Realität.

1821 Deutscher Bund

In Georg Friedrich Wilhelm Hegels »Grundlinien der Philosophie des Rechts« ist die bürgerliche Familie Vermittlungsinstanz zwischen Individuum und Gesellschaft. Sie fördert die Entwicklung von Werten, Normen und staatsbürgerlichen Engagements.

1800 – 1850 Europa

Kinderarbeit in Textilfabriken und Kohlebergwerken erreicht den Höhepunkt. Erste Gesetze zu ihrem Schutz werden erlassen, wie der Factory Act (1833) zur Festsetzung von Arbeitszeiten und Mindestalter.

19. – 20. Jh. Ecuador

Im Amazonasgebiet trennen christliche Orden indigene Kinder gewaltsam von ihren Eltern, um sie in kirchlichen Internaten zu missionieren, kulturell zu entwurzeln und in koloniale Strukturen einzu­gliedern.

1810 Französisches Kaiserreich

Im Strafgesetzbuch (Code pénal) ist Ehebruch der Frau immer Scheidungsgrund; beim Mann nur, wenn seine Konkubine in der ehelichen Wohnung verkehrt. Der Ehemann bleibt straffrei, wenn er seine ertappte Frau oder deren Liebhaber tötet.

1816 – 49 Preußen

Armut und Hungersnot drängen Menschen in die Stadt. Die Einwohnerzahl Berlins steigt von 200.000 (1816) auf 450.000 (1849). Beengte, dunkle, unhygienische Wohnverhältnisse sind vor allem in den Armenvierteln Realität.

1821 Deutscher Bund

In Georg Friedrich Wilhelm Hegels »Grundlinien der Philosophie des Rechts« ist die bürgerliche Familie Vermittlungsinstanz zwischen Individuum und Gesellschaft. Sie fördert die Entwicklung von Werten, Normen und staatsbürgerlichen Engagements.

1800 – 1850 Europa

Kinderarbeit in Textilfabriken und Kohlebergwerken erreicht den Höhepunkt. Erste Gesetze zu ihrem Schutz werden erlassen, wie der Factory Act (1833) zur Festsetzung von Arbeitszeiten und Mindestalter.

19. – 20. Jh. Ecuador

Im Amazonasgebiet trennen christliche Orden indigene Kinder gewaltsam von ihren Eltern, um sie in kirchlichen Internaten zu missionieren, kulturell zu entwurzeln und in koloniale Strukturen einzu­gliedern.

1815

1839 – 76 Osmanisches Reich

Die Tanzimat-Periode bringt tiefgreifende Reformen: modernes Zivilrecht, zentrale Verwaltung, mehr Bürgerrechte sowie ­Bildungs- und Justizreformen.

1841 – 47 Nordamerika

Die ersten Kommunen ­entstehen im Kontext sozialutopischer Bewegungen, wie die Brook Farm (Massachusetts), gegründet nach dem Gleichheitsvorsatz von Transzendentalisten.

1848 – 80 Nordamerika

Die Oneida-Gemeinschaft (New York) wird als Kommune gegründet, um gemeinschaftliches Eigentum und ­polyamore Beziehungen zu ermöglichen.

1842 Preußen

Das Gesetz über die Erwerbung und den Verlust der Eigenschaft als preußischer Untertan ­definiert Staatsangehörigkeit: Nicht die Geburt auf dem Staatsgebiet, sondern die Abstammung ist ausschlaggebend (ius soli – ius sanguinis).

1841 Königreich Frankreich

Ein Gesetz zur Reglementierung von Kinderarbeit legt das Mindestalter von 8 Jahren fest. Zwischen 8 – 12 Jahren dürfen Kinder nicht mehr als 8 Stunden in der Fabrik arbeiten, mit 12 – 16 Jahren nicht länger als 12 Stunden. Verstöße sind häufig.

1840 Deutscher Bund

Deutsche Staaten reagieren mit Bettlerverordnungen und Eherechtsbeschränkungen auf Armut und Bevölkerungswachstum. Die Auswanderung wird gefördert: 1847 werden 80.000 Auswander*innen gezählt.

1829 Indien

William Bentinck, indischer Generalgouverneur, verbietet per Gesetz das Sati-Ritual, die öffentliche Witwenverbrennung. Das Verbot setzt sich nur allmählich durch.

1830

Ab 1868 Japan (Meiji-Zeit)

Die traditionelle und funktionelle Struktur des ie (Haus), die lokale familiäre Solidarität und die Vielfalt traditioneller Familienstrukturen schwinden mit dem rasanten demogra­fischen Wachstum und der Abwanderung in die Städte.

Mitte des 18. Jh. Frankreich

Literatur zur Kindererziehung stellen Erziehungssitten infrage. Im Fokus stehen Heime für Findelkinder (mit erschreckend hoher Sterberate) und die Kinderaufzucht durch Kindermädchen.

1857 Französisches Kaiserreich

Gustave Flauberts Roman »Madame Bovary – Ein Sittenbild aus der Provinz« wird von der Zensurbehörde wegen
»Verherrlichung des Ehebruchs« verboten. Die Protagonistin Emma Bovary ist Kronzeugin gegen die bürgerliche Ehe.

1860 Indien

Der Indian Penal Code verbie­tet die Vielehe (Polygamie).

1856 Indien

Der Hindu Widow’s Remarriage Act legalisiert die Wiederverheiratung von Witwen.

1850er Jahre Großbritannien

Die ersten Kondome aus Gummi von der Firma The London Rubber Company werden auch in anderen Ländern populär, wie den USA. Sie revolutionieren revolutionieren Sex und Verhütung und tragen zur Bekämpfung sexuell übertragbarer Krankheiten bei.

Vor 1900 Neuseeland

Ehen der Māori dienen oft poli­tischen oder wirtschaftlichen Allianzen. Polygamie ist verbreitet. Kinder wachsen in Großfamilien auf. Übergangsrituale regeln Rechte und Pflichten.

1858 – 1947 Indien

Die britische Kolonialherrschaft stärkt das Kastensystem. Zwangsarbeit reißt Familien auseinander, Landsteuern schwächen traditionelle Familienstrukturen und lassen Kleinbauern verarmen.

1858 – 1947 Indien

Die Kollaboration der Kolonialmacht Großbritannien mit männlichen Eliten stärkt ­patriarchale Strukturen der indischen Gesellschaft und festigt die Vormachtstellung von Männern.

1858 Osmanisches Reich

Frauen erhalten mehr Ehe-Rechte, ab 1858 gibt es Mädchenschulen. Zeitungen (wie Demet) fordern Gleichstellung. Bis 1923 verbessern sich die Rechte der Frauen weiter. 1930/34 folgt das (allgemeine) Wahlrecht.

1850

1871 Deutsches Kaiserreich

»Der Ehebruch wird, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist, an dem schuldigen Ehegatten, sowie dessen Mitschuldigen mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.«
§ 172, RStGB, Dieser Paragraph gilt in der BRD bis 1969.

Vor 1868 Äthiopien

Dem Vornamen des Kindes wird der Vorname des Vaters angefügt, manchmal auch der des Großvaters. Der Name Haile Gebrselassie bedeutet »Haile, Sohn von Gebrselassie«. Die väterlichen Namen werden als Nachnamen verwendet.

1872 Indien

Der Special Marriage Act wird verabschiedet. Eheschließun­gen zwischen Angehörigen verschiedener Kasten werden legalisiert.

Bis 1880 Preußen

Im Berliner Stadtbild sind Ammen aus der Niederlausitz in sorbischer Tracht präsent: »Wennste ’ne Spreewaldamme hast, die dich jenährt als Rangen, dann kannste, wennste Zwanzig bist, von ihr det nich valangen.«

Indien

Die Hungersnot in Südindien hat keinen Einfluss auf ­Eheschließung und frühes Heiratsalter der Frau. Die Großfamilie entwickelt Anpassungsstrategien, um Krisen zu überleben.

18. Dezember 1865 Nordamerika

Nach dem Ende der Sklaverei werden Ungleichheiten durch Institutionen, Kultur und ­Ökonomie fortgeführt. Zugleich verunsichert der Wandel ­privilegierte Weiße und verändert soziale Kontrolle, Geschlechterrollen und familiäre Strukturen.

1873 Russisches Kaiserreich

»Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich«.
Lew Tolstoi

1879 Dänemark

»Ich muss herauskriegen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich«.
Nora, in: Henrik Ibsen, Nora oder ein Puppenheim, 1879

1858 – 1945 Vietnam

Steuern, Zwangsarbeit und wirtschaftliche Ausbeutung belasten Familien. Sie führen zu Landflucht und Migration.

1872 Indien

Der Special Marriage Act führt die Zivilehe und die Monogamie ein, er gilt jedoch nicht für Hindus. Das Mindestheiratsalter für Mädchen beträgt 14 Jahre.

1874 Japan

Das Führen eines Familiennamens wird Pflicht.

1870er Jahre Europa

Die bürgerliche bzw. adlige Frau im Korsett familiärer Verpflichtungen und gesellschaftlicher Moralvorstellungen ist Hauptmotiv literarischer Werke, wie »Anna Karenina« von Lew Tolstoi oder »Nora« von Henrik Ibsen.

1870 Indien

Die Tötung neugeborener Mädchen ist verbreitete Praxis. Der Infanticide Act kann diese nicht vollends unterbinden, zumal sie Teil des privaten Bereichs des parda-Systems ist.

1871 Deutsches Kaiserreich

Das Abtreibungsverbot wird ins erste deutsche Strafgesetzbuch aufgenommen.

1865

1883 Deutsches Kaiserreich

Bismarcks Sozialgesetze beeinflussen Familienstruktu­ren: Sozial- und Krankenversicherung und Altersrente werden eingeführt, Familien entlastet, der Arbeitsmarkt für Frauen geöffnet und der Staat als soziale Instanz etabliert.

Vor 1884 Nigeria

Die Namenssysteme der Hausa, Yoruba oder Igbo ba­sieren auf religiösen, kulturellen oder familiären Bedeutungen. Vor- und Nachnamen erinnern an Eigenschaften, Ereignisse oder Wünsche für die benannte Person.

1883 Vietnam

Die Kolonialmacht Frankreich führt den Code Civil ein, mit Auswirkungen auf Erb- und Familienrecht. Die Familie bleibt Träger nationaler Identität im Widerstand. Sie bewahrt kulturelle Traditionen.

Vor 1900 Neuseeland

Die Māori-Gesellschaft ist in Familienverbänden (Whānau), Untergruppen (Hapū) und Stämmen (Iwi) organisiert. Das Familienrecht wird ­mündlich überliefert und ist eng an spirituelle und kulturelle Praktiken geknüpft.

1895 Zentralasien

Großbritannien und Russland erklären Panj und Amu Darya zu Grenzflüssen. Dies trennt Gesellschaften mit gemein­samer Kultur, Sprache und Religion, Dörfer und Familien bis heute.

Nach 1884 Nigeria / Südafrika


Mit der Kolonialisierung und später der Unabhängigkeit werden in einigen Ländern gesetzliche Vorgaben für den Familiennamen eingeführt. Der Familienname wird oft im Zuge der Bürokratisierung ­notwendig.

1898 Japan

Im Gesetzbuch der Meiji-Zeit gründet Identität auf der Zugehörigkeit zum Haus und dem Eintrag ins Haushaltsregister (koseki). Der Hausherr verwaltet den Besitz der Frau. Der älteste Sohn erbt.

1891 Indien

Der Age of Consent Act ­provoziert Widerstand als ­Eingriff des Staates und der anglisierten Mittelschicht in religiöse Bräuche der Hindus. Für Ehen wird ein Mindestalter eingeführt.

1889 Philippinen

Mit Einführung des Código Civil wird das Ehe- und Familien­recht kodifiziert, basierend auf spanischem Recht.

Vor 1900 Australien

Die Aborigines sind matrilinear oder patrilinear, teils polygam organisiert. Arrangierte Ehen dienen Allianzen zwischen Clans oder Stämmen. Kinder werden gemeinschaftlich erzogen. Übergangsrituale legen Rechte und Pflichten fest.

1896 Deutsches Kaiserreich

»Die Ehefrau theilt den ­Wohnsitz des Ehemanns. Sie theilt den Wohnsitz nicht, wenn der Mann seinen Wohnsitz im Ausland an einem Orte begründet, an den die Frau ihm nicht folgt und zu folgen nicht verpflichtet ist.«
§ 10 BGB, Reichsgesetzblatt, S. 195, Nr. 21

Vor 1900 Australien

Die komplexen Verwandtschaftssysteme der Aborigines regeln soziales Leben, Ehen und Erbschaften. Das Familienrecht wird mündlich überliefert und ist eng mit ­spirituellen und kulturellen Praktiken verknüpft.

Vor 1884 Namibia

Traditionen der Herero, Ovam­bo und Nama prägen das Familienrecht. Abstammung und Erbrecht werden patrilinear über die männliche Linie bestimmt. Polygamie und Brautpreise sind üblich. Die Ältesten schlichten Familienstreitigkeiten.

1896 Deutsches Kaiserreich

»Dem Manne steht die ­Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angele­genheiten zu; er bestimmt ­insbesondere Wohnort und Wohnung.«
§ 1354 des BGB von 1896

Vor 1884 Kamerun

Die Bamileke, Fulbe und Beti haben ihre eigenen Familienrechte. Patrilineare Strukturen und Brautpreise sind verbreitet. Andere, wie die Kom, sind matrilinear organisiert. Familienstreitigkeiten regeln Räte der Ältesten.

1884 Deutsches Kaiserreich

In »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats« untersucht Friedrich Engels ihre historische Entwicklung. In ökonomischer Funktion ändert die Familie ihre Struktur in Abhängigkeit ge­sellschaftlicher Bedingungen.

1880

1900 Nigeria

Mit der Kolonialisierung werden britische Gesetze eingeführt, die das Familienrecht beeinflussen, insbesondere in Bezug auf Ehe und Scheidung.

1900 Deutsches Kaiserreich

Waisen können in Familien aufgenommen werden, aber Adoptivkinder sind rechtlich keine Verwandten und haben kein Erbrecht. Adoptiveltern müssen über 50 und kinderlos sein.

1900 Deutsches Kaiserreich

Der Familienname ist im Bürger­lichen Gesetzbuch eingeführt. Für alle wird er verpflichtend, insbesondere in offiziellen Dokumenten, wie in Geburtsurkunden, Pässen und Ausweisen.

1900 Kamerun

Während der deutschen Kolonialzeit werden Gesetze im Familienrecht eingeführt, die stark von europäischen Normen geprägt sind und die traditionellen Praktiken kaum berücksichtigen.

1900 Detroit, Nordamerika

17 % afroamerikanischer Fami­lien sind erweiterte Haushalte und Mehrfachhaushalte, um die fehlende staatliche Sozialfürsorge familiär zu übernehmen und auszu­gleichen.

1900 Tansania

Mit Einführung des britischen Kolonialrechts werden Gesetze eingeführt, die das Familienrecht regeln, einschließlich Ehe und Scheidung. Sie sind stark von britischem Recht beeinflusst.

1901 Australien

Mit der Gründung des Commonwealth of Australia wird Familienrecht zwischen den föderalen Bundesstaaten und dem Commonwealth verhan­delt. Der Schwerpunkt liegt auf Ehe- und Scheidungsfragen.

Vor 1900 Angola

Traditionen der Ovimbundu, Mbundu und Bakongo prägen das Familienrecht. Patrilineare, polygame Strukturen überwiegen. Vor der Eheschließung verhandeln die Familien und tauschen Güter aus. Die Familie ist zentral im sozialen und wirtschaftlichen Leben.

1900 Deutsches Kaiserreich

Im BGB sind Ehe, Familie, Kindeswohl, Adoption und Erbrecht geregelt. Männer haben Vormundschaft und Ver­mö­gensgewalt, Frauen kaum Rechte und keine Arbeitser­laubnis ohne Zustimmung – gültig in der BRD bis in die 1970er.

1900

1916 Kamerun

Unter britischer und französischer Mandatsverwaltung zweigeteilt, beeinflussen zwei Rechtssysteme die Familiengesetzgebung: das anglikanische Recht und das franzö­sische Zivilrecht.

Nach 1900 Grönland

Die Gesetzgebung der Kolonial­macht Dänemark unterläuft Inuit-Gesetze: Ehe und Scheidung werden formalisiert und rechtlich ­bindend, Monogamie durchgesetzt. Kindergeld, Unterhalt und Schutzmaßnah­men sind staatlich geregelt.

1912 China

Mit Gründung der Republik wird das Verständnis von Ehe und Beziehung modernisiert, freie Liebe und die Gleichberechtigung von Mann und Frau gefördert.

1916 Naher Osten

Großbritannien und Frankreich teilen das Osmanische Reich auf – ohne Rücksicht auf ­ethnische, religiöse oder kulturelle Gegebenheiten. Die Grenzziehungen zerstören Familienstrukturen und Lebensräume und schaffen Konflikte, die bis heute wirken.

1912 – 26 Japan

Die familiaristische Geschäfts­führung wird gegen Ende der Taisho-Zeit in den wichtigsten Unternehmen ­eingeführt, um den Einfluss ­marxistisch orientierter Gewerkschaften auf die Arbeiter zu unterbinden.

1914 Japan

Natsume Sosekis Roman Kokoro erscheint. »Liebe ist ein Verbrechen!«, so der Hauptheld, konfrontiert mit Familiengründung, Freundschaft, Verantwortung und Schuld.

1913 Deutsches Kaiserreich

Die Staatsangehörigkeit basiert auf dem Prinzip des ius sanguinis (Blutsrecht) und wird durch Abstammung erworben. Etabliert hat sich dieses Gesetz mit Durchsetzung des völkischen Begriffs der Nation im 19. Jh. und ist bis heute gültig.

1917 Türkei

Das Osmanische Personenstandsgesetz regelt erstmals Ehe, Scheidung, Sorgerecht und Erbschaft staatlich. Es macht Eheschließungen registrierungspflichtig und stärkt teils die Rechte der Frauen.

1908

1919 Deutsches Reich


In der Weimarer Republik wird das Familienleben erstmals verfassungsrechtlich geregelt. Die Ehe gilt als Grundlage der Nation, der Staat unterstützt kinderreiche Familien, schützt Mutterschaft und stellt uneheliche Kinder rechtlich gleich.

1920 Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

Der Pädagoge Anton Makarenko betont die Bedeutung des Kollektivs in der Persönlichkeitsentwicklung von ­Kindern. Im von ihm geleiteten Kinderheim sind Kinder an den Entscheidungsprozessen beteiligt.

1922 Sowjetunion


Die Pionierbewegung wird gegründet. Sie übernimmt eine zentrale Rolle in der ­kollektiven Erziehung von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Familie.

1922 Nordamerika

Der Cable Act verbietet »Misch­ehen« zwischen Weißen, Schwarzen, Native Americans und asiatischen Amerikaner*innen. US-Bürgern*innen wird die Staatsbürgerschaft entzogen, wenn sie Asiat*innen heiraten. Reste dieser Politik bestehen bis 1965.

1920er Jahre Westeuropa

Das Stillen durch Lohnammen wird zunehmend unüblich, als brauchbare Ersatzmilch verfügbar wird.

Nach 1918 Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

Familienstrukturen in Zen­tralasien werden reformiert, Nachnamen zur Pflicht. ­Kollektivierung und Sesshaftmachung zwingen nomadische Völker, wie Kirgisen, Kasachen und Tuwiner, fest zu siedeln.

1920 Nordamerika

Das Frauenwahlrecht wird mit dem 19. Amendment in der US-Verfassung verankert.

1918 Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

Das Familiengesetz legt fest: Ehefreiheit, vereinfachtes Scheidungsrecht, Gleichstel­lung der Geschlechter. Frauen erhalten das Sorgerecht und das Recht auf wirtschaftliche Unabhängigkeit.

1922 Korea

Einführung und Formalisierung des Hoju-Systems (patriline­ares Familienregister) während der japanischen Besatzung.

1916

1918 – 31 Deutsches Reich

Gegen § 218 formiert sich eine außerparlamentarische Bewe­gung. Sexualberatungsstellen zur Empfängnis­verhütung und zum Abtreibungsstrafrecht werden eingerichtet, hilfswillige Ärzte vermittelt.

1928 Nordamerika

Coleman Blease, Ku-Klux-Klan-Anhänger, unternimmt einen letzten, gescheiterten Versuch, die US-Verfassung zu überar­beiten, um Ehen zwischen verschiedenen »Rassen« in allen Bundesstaaten zu verbieten.

1925 Indien

Sarojini Naidu, Dichterin, ­Politikerin und enge Freundin von Mahatma Gandhi, stärkt die Unabhängigkeits- und Frauenbewegung. Sie wird zur Präsidentin des Indian National Congress gewählt.

1930 China

Das erste Bürgerliche Gesetzbuch fördert die Gleichberechtigung in der Ehe. Kommunistische Ideen kritisieren traditionelle Familienstrukturen und führen zu einer Verlagerung von Groß- hin zu Kernfamilien.

1927 Indien

Die All-India Women’s Conference wird gegründet. Sie kämpft für die soziale Gleichstellung der Frau und die Revision der Rechtsgrundlagen, auf denen die Hindu-Familie beruht.

1926 Republik Türkei

Das türkische Zivilgesetzbuch sieht eine Wartefrist von 300 Tagen nach der Scheidung vor. Ansonsten muss die Frau vor Gericht klagen und ­nachweisen, dass sie nicht schwanger ist, um im Falle einer Schwangerschaft die Vaterschaft klären zu lassen.

1926 Sowjetunion

Da die Scheidungsrate steigt, führt das Familiengesetz strengere Scheidungsregeln ein. Die Bedeutung der Ehe wird betont und die Stabilität der Familie gefördert.

1929 Indien

Der Child Marriage Restraint Act wird nach heftigen Widerständen der Hindu-Orthodoxie verabschiedet. Das Gesetz legt das Heiratsalter der ­Mädchen auf 14 Jahre, der Jungen auf 18 Jahre fest.

1938 Deutsches Reich

Das Mutterkreuz wird von der nationalsozialistischen Regierung als Auszeichnung eingeführt für »arische« Frauen mit vielen Kindern. Die Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau wird glorifiziert.

1929 Nordamerika

Infolge der Great Depression sinkt die Geburtenrate in Nordamerika rasant auf 2,1 Kinder pro Frau.

1926 Republik Türkei

Das religiöse Familienrecht wird abgesetzt und durch säkulares modernes Familienrecht ersetzt.

1928 Indonesien

Der erste nationale Frauenkongress findet während der Kolonialzeit in Yogyakarta (Java) statt. Es geht um die Abschaffung von Polygamie, Frauen- und Kinderhandel sowie um Bildungsprogramme für Frauen.

1922 Deutsches Reich

Max Weber analysiert in ­»Wirtschaft und Gesellschaft« ­familiäre Strukturen in gesell­schaftlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Familiäre Netzwerke sind entscheidend für Zugänge zu Ressourcen und Positionen.

1925

1937 Indien

Der Hindu Women’s Right to Property Act reformiert das Erbrecht: Hindu-Witwen steht ein beschränkter Anteil am Familieneigentum zu. Der Hindu Nibandha Baroda Act legalisiert die Ehescheidung.

1936 Deutsches Reich

Im Nationalsozialismus ­verlieren Sinti und Roma ihre Staatsbürgerschaft. Ehen ­werden verboten, Zwangssterilisationen durchgeführt. Die Ausübung ihrer Berufe ist untersagt.

1938 Deutsches Reich

Die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädchen übernehmen als zentrale natio­nalsozialistische Jugend­organisationen Erziehungsarbeit neben der Familie.

1938 Deutsches Reich

Das Ehegesetz enthält ein Eheverbot für Menschen mit bestimmten Erbkrankheiten und »Rassenschänder«. Ehen zwischen Juden und »Ariern« werden verboten. Dies führt zur Zerrüttung von Familien.

1930er Jahre Sowjetunion

Programme zur Erhöhung der Geburtenrate sollen Mutterschaft und Familie unterstützen. Mütter erhalten finanzielle und soziale Zuwendungen und werden zur Mutterheldin.

1936 Sowjetunion

Abtreibung ist weitgehend verboten, um die Geburtenrate zu steigern – ein bedeutender Rückschritt im Vergleich zu den liberalen Regelungen der frühen 1920er Jahre.

1935 Deutsches Reich

Die Nürnberger Gesetze (»Rassegesetze«) der National­sozialisten führen zu Ausschluss und systematischen, brutalsten Diskriminierungen »nicht-arischer« Familien, ­insbesondere von Juden, Sinti und Roma.

1941 – 45 Deutsches Reich

Die Folgen der Schoa sind existenziell: Jüdische Familien brechen auseinander oder werden ausgelöscht, Generationen gehen verloren. Schwerste Traumata prägen das Zusammenleben bis heute. Familien gründen sich neu nach Flucht und Emigration.

1920 – 46 Syrien

Die französische Kolonial­herrschaft verstärkt religiöse und ethnische Unterschiede. Sie fragmentiert die Gesellschaft durch unterschiedliche Rechtssysteme für religiöse Gruppen, was sich auf Fami­lienstrukturen und Lebensformen auswirkt.

1933 Deutsches Reich

Die Blutslehre wird zentral für die faschistische Ideologie der genetisch vererbten »­arischen Rasse« und die »arisch-deutsche« Familie. Diskriminierende rassistische und antisemitische Gesetze und Praktiken folgen.

1936 Deutsches Reich

Ein Gutachten der Rassenhy­gienischen Forschungsstelle versucht, »Asozialität« von »Zigeunern« als »Erbkrankheit« auszuweisen. Es soll »zur Bekämpfung der Zigeunerplage« die Deportation von Sinti und Roma ab 1940 rechtfertigen.

1938 Deutsches Reich

Das Abtreibungsverbot wird unter den Nationalsozialisten für »arische« Frauen durchgesetzt, für »nicht-arische« Frauen war Abtreibung oft erlaubt.

1933

1945 Nordamerika

Die New York Times debattiert die Hausfrau vs. die Karrierefrau. Edith Efron plädiert für Gleichberechtigung in Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung. Ann Maulsby für das Heim als Ort weiblichen Glücks.

1943 – 44 Indien

Zum Erhalt der Abstammungslinie genießen Männer in der bengalischen Hungersnot Schutz und Fürsorge. Frauen werden sich selbst überlassen, Kinder im Notfall ausgesetzt oder verkauft.

1947 Indien / Pakistan

Die Teilung Indiens und ­Pakistans führt zu massenhafter Zwangsmigration und zur Zerstörung traditioneller Familienstrukturen in den Grenzregionen.

1945 Vietnam

Mit der Unabhängigkeit ­fördern sozialistische Familienstrukturen Gleichbe­rechtigung. Landumvertei­lungen der Viet Minh stärken arme Bauernfamilien und unterstützen kollektive Gemeinschaftsstrukturen.

1949 – heute Israel

Es gibt keine Zivilehe, nur ­religiöse Eheschließungen nach den Regeln der jeweiligen Glaubensgemeinschaft. »Mischehen« und gleichge­schlechtliche Ehen sind bis heute nicht erlaubt.

1949 Syrien

Trotz religiöser Autonomie stärkt der Staat seine Kontrolle über das Familienrecht durch ein einheitliches Zivilgesetz, das Erbschaft, Scheidung und Eigentum regelt und die Rechte von Frauen und Kindern schützt.

1949 Indien

Im Hindu Married Women’s Right erlangen Frauen das Recht auf einen eigenen
Wohnsitz
.

1949 Frankreich

In »Elementare Strukturen der Verwandtschaft« analysiert der Sozialanthropologe Claude Lévi-Strauss Verwandt­schaftssysteme mithilfe der Allianztheorie.

1946 Indonesien

Nach der Unabhängigkeit ­entsteht KOWANI, ein Verband von Frauenorganisationen, der Gleichberechtigung, Eherechtsreformen und Bildung für Frauen fordert. Ab 1965 wird er unter Suharto brutal zerschlagen.

1949 China

Mit Gründung der Volksrepublik China werden unter Mao Zedong Kinder gefördert. Die wachsende Bevölkerung soll wirtschaftliche und militärische Stärke sichern.

1940er Jahre Nordamerika

Infolge weiblicher Kriegsbeschäftigung, des Anstiegs von Frauenarbeit und des Zugangs von Frauen zu Hochschulbildung während des 2. Weltkriegs werden Frauen- und Mutterrollen heftig debattiert.

1949 China

Die Begrenzung von Landbesitz unter Mao Zedong führt zum Zerfall traditioneller Familienstrukturen. Die Autorität des Familienoberhaupts schwindet, da Großfamilien keinen gemeinsamen Besitz haben.

1948 Japan

Das Bürgerliche Gesetzbuch spricht jedem Kind gleichen Erbanteil zu, Witwen ein Drittel des Erbes. Das Ehepaar kann den Nachnamen des Mannes oder der Frau annehmen.

1942

1950er Jahre Nordamerika

Der Babyboom ist im Vergleich zu europäischen Ländern deutlich stärker. Zum Höhepunkt liegt die Geburtenrate bei 3,7 Kindern pro Frau.

1950 DDR

»Die nicht-eheliche Geburt ist kein Makel. Der Mutter eines nicht-ehelichen Kindes stehen die vollen elterlichen Rechte zu, die nicht durch die Einset­zung eines Vormundes für das Kind geschmälert werden dürfen.«
§ 17(1), Mutter- und Kinderschutzgesetz

1953 BRD

»Millionen innerlich gesunder Familien mit rechtschaffend erzogenen Kindern sind als Sicherung gegen die kinderreichen Völker des Ostens mindestens so wichtig wie alle militärischen Sicherungen.«
Franz-Josef Wuermeling, erster Bundesfamilienminister der BRD

1953 Afghanistan

Mohammed Daoud Khan wird Premierminister und führt Reformen ein, die Frauen ins öffentliche Leben bringen.

1950 DDR

Das Mutter- und Kinderschutz­gesetz schützt die rechtliche Gleichstellung der Frau. Kinderkrippen, Kindergärten und Wochenheime sollen ­Mütter unterstützen.

1950 Indien

Die Reformbewegung setzt sich mit der sozialen Ächtung verwitweter Frauen auseinander.

1954 – 56 Indien

Das reformierte Hindu-Recht hebt nach der Unabhängigkeit das Heiratsalter der Mädchen auf 15 Jahre an, erlaubt Ehescheidung, verbietet Polygamie und gibt Frauen das Recht auf gleichen Erbanteil.

1954 Korea

Südkorea akzeptiert die Gründung mehrerer vom Ausland finanzierter christlicher humanitärer Organisationen, die grenzüberschreitende Adoptionen erleichtern.

1951 China

Das staatliche Rentenversicherungssystem wird eingeführt. Die staatliche Rentenpolitik überträgt die Verantwortung für die Pflege älterer Menschen von der Familie auf die Gemeinschaft und den Staat.

1958 DDR

Zehn Gebote der sozialistischen Moral wenden sich auch an die Familie: »Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus (...) erziehen.« Und: »Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.«

1950 Mittlerer Osten / Nordafrika

Im Gesamtdurchschnitt aller Ehen werden sechs Kinder geboren, weltweit die höchste Anzahl.

1950er Jahre Schweiz

Die letzten Berufsammen werden in Bern in den Ruhestand geschickt.

1955 Sowjetunion

Das Familiengesetz enthält umfassende Regelungen zu Mutterschutz, Vereinfachung von Ehe und Scheidung, Kindesunterhalt, Unterstützung kinderreicher Familien und Gleichstellung der Geschlechter.

1955 DDR

Das Scheidungsrecht ist ohne Schuldzuweisung geregelt, Ehebruch kein Scheidungsgrund und keine Straftat mehr. Bis 1969 war er in der BRD laut § 172 RStGB noch mit bis zu sechs Monaten Haft strafbar.

1950er Jahre BRD

Der Babyboom erlebt nach dem 2. Weltkrieg einen ­Höhepunkt. Die Familie als Kerngemeinschaft gewinnt an Bedeutung.

1955 BRD

»Eine Mutter daheim ersetzt vielfach Autos, Musiktruhen und Auslandsreisen, die doch allzu oft mit ihrer Kinder gestohlenen Zeit bezahlt ­wurden.«
Franz-Josef Wuermeling, erster Bundesfamilienminister der BRD

1950

1964 Elfenbeinküste

Mit der Unabhängigkeit tritt eine neue Familiengesetzgebung in Kraft. Brautpreis und Polygynie sind verboten. Der Kernfamilie ist eine ­Funktion im Prozess der Nationenbildung zugedacht.

Ab 1960 Westeuropa

Die Kinderfürsorge zieht die Unterbringung von Kindern in Pflegefamilien statt in Heimen vor. Psychologische Erkenntnisse verweisen auf die Bedeu­­tung familiärer Bindungen und individueller Fürsorge.

1961 BRD

Die Antibabypille wird einge­führt – anfangs nur für verhei­ratete Frauen und teilweise nur gegen »Regelbeschwerden«.

1958 – 61 Ägypten und Syrien

Der Zusammenschluss von Ägypten und Syrien im Zuge der panarabisch-sozialis­tischen Bewegung führt zur Landreform und einem neuen Arbeiterschutzgesetz, ­welches Renten-, Sterbe-, Invaliditäts- und Unfallversicherungen einführt.

1961 Tansania

Mit der Unabhängigkeit von Großbritannien wird das Rechtssystem reformiert, um lokale Traditionen und Rechtsetzungen zu berücksichtigen. Die Rechte von Frauen und Kindern werden gestärkt.

Ende 1950er Jahre Japan

Der denka bumu (Boom der Haushaltsgeräte) markiert die Konsumgesellschaft. Konzernstrategien zielen auf das Glück der Familie, die Bequemlichkeit des Heims, wie der Werbeslogan der Firma Matsushita: mai homu shugi (My home-ism).

1958 Nigeria

Der Matrimonial Causes Act regelt die Scheidung und damit verbundene Angelegenheiten. Er stellt sicher, dass Ehen auf staatsrechtlicher Grundlage geschlossen und aufgelöst werden.

1964 Ägypten / Tunesien

Das Programm zur Geburtenkontrolle hat den Rückgang der durchschnittlichen Kinder­zahl in der Ehe zur Folge. In Ägypten sind es -1,8 Kinder, in Tunesien -1,3 Kinder pro Paar.

1963 Iran

Die von Schah Mohammad Reza Pahlavi initiierte Weiße Revolution führt zu Reformen, die auch Frauenrechte stärken, etwa beim Wahl- und Heiratsrecht. Bis 2016 erreicht das iranische Bildungssystem eine weitgehende Gleichstel­lung der Geschlechter.

1957 BRD

Die Zuständigkeit der Frau für den Haushalt bleibt gesetzlich vorgeschrieben. Das Letztentscheidungsrecht des Mannes entfällt. Die Zugewinngemeinschaft wird eingeführt.

1957 BRD

Die Frau »ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.«
Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau

1962 Mali

Die Familiengesetzgebung erlaubt bis zu vier Ehefrauen, fördert aber Monogamie, da Männer alle Frauen gleich ­versorgen müssen, was die finanzielle Belastung erhöht und damit damit polygame Ehen erschwert.

1960 Kamerun

Mit der Unabhängigkeit wird eine neue Verfassung verab­schiedet, die die Gleichheit aller betont. Die neuen Gesetze sollen Rechte von Frauen und Kindern stärken.

Ende 1950er Jahre Kamerun

Die Verschärfung der geschlechtlichen Ungleichheit führt zu Konflikten. Die Scheidungsrate steigt, Ehen lockern sich. Im Land der Bamileke zerstören Frauen Kaffeeplantagen, organisieren Streiks und weigern sich, Männer zu bekochen.

1955 Japan

Mit 1.170.143 Schwangerschaftsabbrüchen ist der Höhepunkt erreicht, ein Drittel aller Ehefrauen treibt mindestens einmal ab. Gründe sind vor allem wirtschaftliche Not. Seelische Belastung wird durch die Verehrung des Jizō Bodhisattva aufgefangen.

1963 Syrien

Die Baath-Partei übernimmt die Macht in einigen arabischen Ländern, wie in Syrien. Der sozialistische Ansatz der Partei betont die Gleichstellung der Geschlechter und die soziale und wirtschaftliche Teilnahme der Frau am öffentlichen Leben.

1961 Südkorea

Das Gesetz gegen moralisch verwerfliches Verhalten diskri­miniert arme, unverheiratete schwangere Frauen. Sie gelten als »wahrscheinlich sexuell arbeitend« und müssen bis zur Geburt in Heimen für ledige Mütter bleiben. Ihre Kinder werden zur Adoption freigegeben.

1959 Australien

Der Matrimonial Causes Act vereinheitlicht die Scheidungs­gesetze und führt die schuldhafte und nicht schuldhafte Scheidung ein.

1958

Bis 1975 Spanien

Unter dem Franco-Regime gilt eine strenge Moralpolitik, die unter anderem das Umarmen oder An-der-Hand-Halten in der Öffentlichkeit verbot. Erst nach Francos Tod werden diese Regelungen gelockert.

1970 BRD

Studentenproteste und Frauenbewegung setzen sich für eine Reform des § 218 ein. Er stellt den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe.

1970 Nigeria

Der Matrimonial Causes Decree führt umfassende Ände­rungen im Scheidungsrecht ein und erleichtert die Scheidung unter bestimmten Bedingungen. Das Kindeswohl wird besonders berücksichtigt.

1970 BRD / Schweiz

Das Konkubinatsverbot, die gesetzliche Strafbarkeit der »wilden Ehe«, wird in Teilen der Schweiz und der BRD aufgeho­ben: 1970 Bayern, 1972 Kanton Zürich, 1992 Kanton Schwyz und 1995 Kanton Wallis.

1960er – 70er Jahre USA

Kommunen sind Teil der Gegen­kulturbewegung, in Reak­tion auf traditionelle Familienstruk­turen und gesellschaftliche Normen. Hippie-Kommu­nen, wie Twin Oaks (Virginia) prägen alternativen Lebensstil, mit gemeinsamem Besitz und kollektivem Wohnen.

1970 Syrien

Die Kernfamilie dominiert: 72 % der Haushalte bestehen aus einem Familienkern, 13 % aus mehreren Kernen, meist mit der Schwiegertochter des Haushaltsvorstands.

1972 Nordamerika

Ein Gericht in Kalifornien erkennt erstmals das Sorgerecht einer lesbischen Mutter an. Homosexuelle Paare erhielten bisher weder Pflegerecht noch Adoptionsrecht. Oft wird ihnen sogar das Sorgerecht entzogen.

1971 Tansania

Das Gesetz über die Ehe legt das Mindestalter und Bedin­gungen für die Eheschließung fest. Die monogame Ehe wird gefördert.

1965 DDR

Die Antibabypille wird als ­subventioniertes Verhütungsmittel unter dem Namen ­Ovosiston eingeführt.

Bis 1974 BRD

Der Ehemann ist Letztentscheider in Ehefragen. Ein Kind ohne Vaterschaftsanerken­nung steht unter Amtsvor­mundschaft. Der Mutter wird abgesprochen, eigenverantwortlich Entscheidungen für ihr Kind zu treffen.

1970 BRD

Das durchschnittliche Heiratsalter von Männern liegt bei rund 26 Jahren, das von Frauen bei 23,4 Jahren. Es werden 575.233 Ehen geschlossen, das entspricht 7,4 Eheschließun­gen je 1.000 Einwohner.

Anfang 1970er Jahre DDR

Der Heiratskredit mit niedrigem Zinssatz wird als soziale Maßnahme für junge Paare eingeführt, zur Erleichterung der Haushaltsgründung und Steigerung der Geburtenrate.

1960er Jahre Indien

Einige Bundesländer führen Sozialrenten ein. Das Indira Gandhi National Old Age ­Pension Scheme ist für die ärmsten Senior*innen ohne familiäre Unterstützung oft lebensrettend.

1967 Berlin-West

Die Kommune 1 gründet sich als erste politisch motivierte Wohngemeinschaft, geprägt von der Studentenbewegung, dem Protest gegen autoritäre Strukturen und einer radikalen Ablehnung bürgerlicher Lebensformen.

1966 – 74 Grönland

Die Hälfte der fruchtbaren Frauen in Grönland erhält ohne eigene Zustimmung oder die ihrer Erziehungsberechtigten Spiralen zur Empfängnis­ver­hütung eingesetzt, um Nachwuchs zu verhindern – eine schmerzhafte Prozedur, die sie faktisch zwangssterilisiert.

1972 Kamerun

Der Code de la Famille regelt Ehe, Scheidung, Sorgerecht und Erbschaft. Die Gleichheit der Geschlechter in der Ehe ist festgeschrieben, in der Praxis herrschen patriarchale Strukturen vor.

1970er Jahre Ägypten / Libyen / Libanon

In Ägypten und Libyen heiraten bis zum 50. Lebensjahr fast 100 % der Bevölkerung. Im Libanon ist der Anteil etwas niedriger (Frauen 93,1 %, ­Männer 94,3 %). In Beirut ist die soziale Stellung der Frau weniger an Familie gebunden.

1955 – 75 Vietnam

Während des Vietnamkrieges übernehmen Frauen zunehmend die Familien­verantwortung.

1968 Israel

Nach dem Sechstagekrieg wächst Israels Bevölkerung durch Landbesetzungen. Familienstrukturen verändern sich, der Alltag wird militarisiert. Staatlich geförderte ­Bildung und Wohneigentum stehen sozialen Spannungen gegenüber.

1967 Palästina / Libanon / Jordanien

Besatzung, Flucht und politische Spannungen prägen Recht, Alltag und Rollenbilder. Militärische Grenzen verhin­dern die Rückkehr und trennen Familien. Frauen übernehmen neue Rollen als Versorgerinnen oder Aktivistinnen, da Männer oft fehlen.

1966

1974 Indonesien

Während der Militärregierung von General Suharto wird das Ehegesetz verabschiedet und damit Gendernormen fixiert: »Der Ehemann ist der Haushaltsvorstand, und die Ehefrau ist die Hausfrau«.
§ 31.3

1978 China

Mit der Reformpolitik wird die traditionelle, bis in die 1980er Jahre dominierende Vater-Sohn-Familie durch die Familie der Ehepartner ersetzt. Diesen Wandel der Familienstruktur beeinflusst die strenge Geburtenkontrolle (Ein-Kind-Politik).

1966 – 76 China

Mit der Kulturrevolution steht die kollektive Erziehung im Fokus. Schulen und Bildungsstätten übernehmen neben der Familie Verantwortung. Kinder werden ermutigt, in Kollektiven zu leben und zu lernen.

Bis 1976 BRD

Der Ehemann darf den Arbeitsvertrag seiner Frau wegen Vernachlässigung von Haushaltspflichten kündigen.

1972 DDR

Frauen sollen über ihren ­Körper frei entscheiden können. Die Antibabypille ist kostenlos, Schwangerschaftsunterbrechungen sind ­voraussetzungslos bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich.

1976 BRD

Der Geschlechtsverkehr als eheliche Pflicht wird mit der Reform des Eherechts abgeschafft, in der DDR bereits 1965 mit dem neuen Eherecht. Im Sinne der Gleichberechtigung der Partner sollen sexuelle Beziehungen auf Freiwilligkeit beruhen.

1979 Iran

Gesellschaftliche Unruhen führen zur Flucht des Shahs. Mit der Machtübernahme des Ayatollah Khomeini wird das Familienrecht nach der Scharia ausgerichtet.

1972 Senegal

Die neue Familiengesetzgebung beschränkt die Anzahl auf max. drei Ehefrauen. Vor der Heirat muss sich der Mann grundsätzlich zwischen ­Monogamie und Polygynie entscheiden.

1975 Australien

Der Family Law Act führt das Prinzip der unwiderruflichen Zerrüttung der Ehe als einzigen Grund für die Scheidung ein und etabliert den Family Court of Australia. Das Kindeswohl wird zentraler Aspekt bei Sorgerechtsentscheidungen.

1979 Afghanistan

Die Sowjetunion marschiert ein, um gegen islamistische Aufstände zu kämpfen. Der bis 1989 andauernde Krieg hat schwere soziale und humanitäre Folgen für Familien.

1977 Argentinien

Während der Militärdiktatur protestieren Madres auf der Plaza de Mayo vor dem Präsidentenpalast gegen das Verschwindenlassen von Familienangehörigen. Sie um­runden stumm den Platz, weil Proteste im Stehen ­ver­boten sind.

1979 Nigeria

Die Verfassung erkennt die Gleichheit der Geschlechter an und stellt sicher, dass Frauen in Fragen des Familienrechts nicht diskriminiert werden.

1965 – 98 Indonesien

Die Orde Baru (Neue Ordnung) enthält eines der größten, von westlichen Staaten mitfinanzierten Umsiedlungsprogramme (Transmigrasi), das die Familienplanung dua anak cukup (Zwei Kinder
sind genug
) mit Zwangsmaßnahmen umsetzt.

1978 Großbritannien

Louise Brown ist das erste Baby, das durch künstliche Befruchtung zur Welt kommt – ein Meilenstein in der Reproduktionsmedizin und der Beginn der modernen ­In-Vitro-Fertilisation (IVF).

1976 BRD

Frauen dürfen ohne Einwil­ligung des Mannes ein Konto eröffnen oder Arbeit anneh­men. Scheidungen sind ­einseitig durchsetzbar, das Zerrüttungsprinzip ersetzt das Verschuldungsprinzip, sodass die Frau finanzielle Ansprüche geltend machen kann.

1979 Ägypten

Das Jehan-Sadat-Gesetz zum Personenstand gibt der ­Ehefrau das Recht, die Scheidung von ihrem Mann zu beantragen, wenn dieser eine Zweitfrau hat.

1975

Seit 1980er Jahren Süd- / Südostasien

Multinationale Modekonzerne verlagern ihre Produktionsstätten nach Asien, Sweatshops entstehen. Niedrige Löhne zwingen Kinder zu Kinderarbeit als Beitrag zum Familieneinkommen. Fehlende Schulbil­dung nimmt Zukunftschancen.

1990 BRD – DDR

72 % der Männer aus ostdeut­schen Bundesländern stimmen zu, dass ihre Partnerin gleiche Berufschancen hat, Haushalt und Kinderbetreu­ung auf beide gleich verteilt werden. Männer aus westdeutschen Bundesländern stimmen zu 46 % zu.

1982 BRD

Die künstliche Befruchtung außerhalb des weiblichen ­Körpers (In-Vitro-Fertilisation) wird legalisiert. In Frankreich ist sie bereits 1978 erlaubt.

1986 Israel

Shas und andere national­religiöse Parteien setzen sich für strengere Ehegesetze, ­traditionelle Geschlechterrollen und eine Ablehnung der Ziviltrauung ein.

1985 Westeuropa

Leihmutterschaft wird in Großbritannien legalisiert, die ­Leihmutter darf nicht für ihre Dienste bezahlt werden. In Deutschland und Frankreich ist sie verboten, in Griechenland seit 2002 legal, wie auch in Russland und der Ukraine.

1980 Tansania

Das Gesetz über die Erbschaft regelt Erbschaftsrechte und stellt sicher, dass Frauen und Kinder am Erbe beteiligt sind.

1981 Kamerun

Das Gesetz über die Gleichstellung der Geschlechter stärkt die Rechte von Frauen in der Familie und bekämpft Diskriminierung.

1980er Jahre Europa / Nordamerika

Die Pflege von Aidskranken in Freundeskreisen als Wahlfamilien gewinnt an Bedeutung. Enge soziale Netze außerhalb der Herkunftsfamilie geben den Anstoß zur gesellschaftlichen Öffnung gegenüber diversen Lebens- und Familien­formen.

1982 China

Die Unterhaltspflicht für die Eltern wird gesetzlich in der Verfassung verankert.

1980er Jahre Subsahara

In der AIDS-Pandemie verlie­ren Millionen Kinder ihre Eltern (AIDS-Waisen). Großfamilienhaushalte nehmen zu, Großeltern sorgen für Enkel. Familien verarmen wegen hoher Pflegekosten und Ausgaben.

1980 Kuwait

Das kernfamiliäre Modell ist vorherrschend: 64 % mit einem Familienkern, 25 % mit zwei, 8 % mit drei und 3 % mit vier oder mehr Kernen. Letztere bestehen aus mehr als 15 Personen.

1984 Algerien

Der neu verabschiedete Gesetzestext regelt, dass die Scheidung »nach dem Willen des Ehemannes oder auf ­Verlangen der Ehefrau« erfolgen kann. Zuvor stand sie ausschließlich dem Ehemann zu.

1987 Australien

Der Family Law Act wird ­geän­dert, um das Konzept der gemeinsamen elterlichen ­Verantwortung zu stärken und das Kindeswohl in den Mittelpunkt zu stellen.

1980 Mittlerer Osten / Nordafrika

Die Geburtenrate verringert sich auf durchschnittlich 4,6 Kinder pro Frau. Je höher Bildungs- und Lebensstandard, desto geringer die Anzahl der Kinder. Auf dem Land lebende Frauen gebären durchschnittlich mehr Kinder.

1983

Seit 1999 Indonesien

Mit Ende der Militärregierung führt die Gesetzgebung in der Provinz Aceh (Sumatra) ­sukzessive die Scharia ein, gefördert durch Unabhängig-keitsbestrebungen.

1991 BRD

Das Embryonenschutzgesetz setzt medizinischen Verfahren ethische Grenzen. Es verbietet Klonen, Eizellspende und Leihmutterschaft, genetische Modifikation und Nutzung von Embryonen jenseits der Schwangerschaftsherbeiführung.

1994 BRD – DDR


§ 175 des Strafgesetzbuches wird abgeschafft. Er stellte homosexuelle Handlungen unter Strafe. In der DDR wird er bereits 1988 annulliert, Homosexualität bei Erwach­se­nen 1973 entkriminalisiert.

1995 BRD

Mit dem Beitritt der DDR wird § 218 infrage gestellt. Das heutige Abtreibungsrecht ist ein Kompromiss aus Fristenmodell (bis zur 12. Schwangerschaftswoche), Bera­tungspflicht und medizinischer Begründung.

1998 Tansania

Das Gesetz über den Schutz von Frauen und Kindern wird eingeführt, um Gewalt gegen Frauen und Kinder zu bekämpfen und ihre Rechte zu schützen. Opfer von Gewalt erhalten rechtlichen Schutz.

1996 Großbritannien

Als erstes geklontes Säugetier wird Dolly, ein Schaf, gebo­ren und löst weltweit ethische Debatten aus. Es führt zu strengeren Gesetzen der Reproduktionsmedizin und verstärkter Regulierung bei künstlicher Befruchtung und Genforschung.

1995 Namibia

Das Gesetz über die Ehe regelt Eheschließung und Rechte von Ehepartnern. Es führt Bestimmungen ein, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Ehe fördern.

1997 BRD

Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar. Bis dahin galt der Ehemann als berechtigt, sexu­ellen Verkehr mit seiner Ehefrau zu haben, Vergewaltigung wurde nicht anerkannt. In der DDR wird sie bereits 1988 unter Strafe gestellt.

1997 Nordamerika

Erstmals erstreitet ein homosexuelles Paar vor einem Gericht in New Jersey das Recht, gemeinsam ein Kind zu adoptieren, das mit keinem der Männer biologisch verwandt ist (joint adoption).

1990 Namibia

Mit der Unabhängigkeit gilt eine neue Verfassung. Die Gleichheit aller und die Achtung der Menschenrechte sind festgeschrieben – ein wichtiger Schritt in Richtung einer gerechteren Familiengesetzgebung.

1998 BRD

Mit Abschaffung der verord­ne­ten Amtspflegschaft bei ­fehlender Vaterschafts­aner­kennung erhalten Frauen für ihre außerhalb der Ehe geborenen Kinder das umfassende Sorgerecht.

1992

2000 Nordamerika

»Der Gesetzgeber darf nie­mals ein Gesetz verabschieden, um eine Ehe zwischen einer weißen Person und einem Neger oder einem Nachkom­men eines Negers zu geneh­migen oder zu legalisieren.«
Verfassung von Alabama

2004 USA

Die Gründung von Facebook führt in ein neues Zeitalter der sozialen Medien und ­verändert die Art und Weise, wie ­Menschen miteinander interagieren, auch im Kontext Familie. Was ist öffentlich, was privat?

2001 BRD

Das Lebenspartnerschaftsgesetz ist an das Eherecht angelehnt, mit Abweichungen im Adoptions- und Abstam­mungsrecht. Eheliche und nichteheliche Kinder sind mit dem Kleinen Sorgerecht rechtlich gleichgestellt.

2000 – 2009 BRD

In 98 anonymen Babyklappen werden mindestens 209 ­Kinder abgegeben. Bis 2012 sind es 278 abgelegte Kinder, 652 anonyme Geburten und 43 anonyme Übergaben.

2003 Namibia

Das Gesetz über häusliche Gewalt soll Opfer von ­häuslicher Gewalt schützen und rechtliche Mittel anbieten, um dagegen vorzugehen.

2002 BRD

Häusliche Gewalt wird unter Strafe gestellt. Das Gewaltschutzgesetz erlaubt es Opfern, rechtliche Schritte einzuleiten und Schutzmaßnahmen zu beantragen. In der DDR wird sie bereits 1989 strafbar.

2000 Nordamerika

Alabama legalisiert als letzter Staat die »gemischtrassige« Ehe. Seit dem Urteil des Obersten US-Gerichtshofs ist sie seit 1967 in anderen Bundesstaaten legal.

2003 Nigeria

Der Child Rights Act wird ­eingeführt, um die Rechte von Kindern zu schützen und sicherzustellen, dass ihre Interessen in allen familienrechtlichen Angelegenheiten berücksichtigt werden.

2004 2002 Tansania

Das Gesetz über Ehe und Familie führt umfassende Reformen im Familienrecht ein, einschließlich Regelungen zu Scheidung, Sorgerecht und Unterhalt. Es betont die Gleichheit der Geschlechter in der Ehe.

2004 Indien

Nur 35 % der über 60-Jährigen sind ökonomisch unabhängig von der Familie und können für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Die ältere Generation wird mehrheitlich von ihren erwachsenen Kindern finanziell unterstützt.

2000 Ägypten

Ein Gesetz ermöglicht Frauen, die khulʿ-Scheidung ohne Zustimmung des Ehemanns zu beantragen – eine wesentliche Änderung, da Frauen zuvor Misshandlung nachweisen mussten, um sich scheiden zu lassen.

2000 BRD

Das Bürgerliche Gesetzbuch verbietet körperliche Züch­tigung und andere Misshandlungen von Kindern als Erziehungsmittel grundsätzlich. Die körperliche Unversehrtheit des Kindes wird geschützt.

2004 Marokko

Die Reform des marokkanischen Familienrechts (Moudawana) stärkt die Gleichstellung der Geschlechter. Sie vereint islamische Prinzipien mit Menschenrechten und gilt trotz Kritik als Vorbild für andere muslimische Länder.

2000

2005 BRD

Das Recht auf Stiefkindadop­tion in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften wird eingeführt.

2007 Nordamerika

Ein Mini-Babyboom ereignet sich: Einwanderinnen aus Lateinamerika haben die höchste Geburtenrate. 40 % der Kinder werden von unverheirateten Müttern geboren.

2005 Südkorea

Durch eine Änderung des Familiengesetzes wird das patriarchale Familienoberhaupt-System (Hojuje) abgeschafft und die gesetzliche Grundlage für die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rechte aller Familienmitglieder geschaffen.

2008 Nordamerika

Der Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA führt zu globaler Rezession. Millionen Familien verlieren wegen nicht mehr bedienter Hypotheken und Überschul­dung ihre Häuser durch Zwangsvollstreckungen.

2005 Südkorea

Die Abschaffung des ­Hoju-Systems (patrilineare Familienregistrierung) ­unterstützt die Entwicklung der Gleichstellung der Geschlechter in Bezug auf Sorgerecht, Erbschaft und Eigentumsrechte.

2007 Indien

Der Maintenance and Welfare of Parents and Senior Citizens Act verpflichtet bei Haftan­drohung zur Elternfürsorge. Alte Menschen leben oft in ­Ko-Residenz mit den Kindern. Stadt-Land-Migration und der Trend zur Kleinfamilie stellen diese Alterssicherung infrage.

2007 Nordamerika

Die Mobiltelefonindustrie ­leitet das Zeitalter der Smartphones ein, mit weitgreifen­den ­Ver­änderungen für das Zusam­menleben, insbesondere ­für familiäre und freundschaftliche Beziehungen.

2010 Argentinien

Die gleichgeschlechtliche Ehe wird erstmals in einem Land Südamerikas eingeführt. ­Flexiblere Familienstrukturen werden legalisiert.

2009 Indien

Der Right to Education Act führt das Grundrecht auf Schulbildung für jedes Kind von 6 bis 14 Jahren ein. Fast alle Kinder besuchen seitdem eine Grundschule.

2006 Namibia

Das Gesetz über Kinderrechte stärkt die Rechte von Kindern und stellt sicher, dass ihre Interessen in allen sie betref­fenden rechtlichen Angelegen­heiten berücksichtigt werden.

2006

2022 Mexiko

Gleichgeschlechtliche Ehen sind legalisiert.

2017 BRD

Die Ehe für alle wird eingeführt und gesetzlich definiert: Eine Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.

2015 Großbritannien

Seit 2015 erlaubt das britische Gesetz die Mitochondriener­satztherapie (MRT) – eine Form der künstlichen Befruchtung mit dem Erbgut von drei Menschen.

2015 Nigeria

Der Violence Against Persons Act geht gegen Gewalt, einschließlich häuslicher Gewalt, vor. Er hat Auswirkungen auf familiäre Beziehungen und den Schutz von Opfern.

2016 Kamerun

Das Gesetz über die Bekämp­fung von Gewalt gegen Frauen stärkt die bereits bestehen­den Gesetze mit umfassenderen Maßnahmen gegen Gewalt in der Familie.

2018 Australien

Der Family Law Act wird ange­passt, um den Bedürfnissen der Familie gerecht zu werden, einschließlich der Anerken­nung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und nicht-traditioneller Familienstrukturen.

2022 Afghanistan

Das Taliban-Regime verbietet die Schulbildung für Mädchen. Seit dem jahrelangen Krieg leben mehr als 56 % der ­Kinder in mehrdimensionaler Armut.

2012 Australien

Mit der Familienrechtsreform wird der Family Law Legislation Amendment Act eingeführt, zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Sorgerechtsentschei­dungen richten sich danach aus.

2019 Chile

Die chilenische Performancegruppe Las Tesis prangert mit ihrem Song »Un violador en tu camino« Gewalt gegen Frauen an. Die Protesthymne wird 2019 weltweit zum Symbol feministischen Widerstands.

2022 Indonesien

Das Gesetz zur Bekämpfung sexueller Gewalt verbietet außerehelichen Geschlechtsverkehr und stellt unverheiratetes Zusammenleben unter Strafe. Ehebruch bleibt verboten.

2011 BRD

Das Präimplantationsdiagnos­tikgesetz erlaubt genetische Tests an Embryonen vor der Einpflanzung nur in Ausnahme­fällen, etwa bei schwerer ­Erbkrankheitsgefahr – und das nur unter strengen gesetzlichen Auflagen.

2017 – 18 Tunesien

2017 wird häusliche Gewalt unter Strafe gestellt. 2018 scheitert ein Gesetz zur Gleichstellung im Erbrecht. Erfolgreich ist jedoch die ­Aufhebung des Eheverbots für Frauen mit nicht-muslimischen Männern.

2021 Australien

Nach der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen wird das Familienrecht angepasst, um die Rechte und Pflichten für alle Paare geltend zu machen.

2015 Südkorea

Das höchste Gericht hebt die Strafbarkeit des Ehebruchs auf und erklärt die Bestrafung für verfassungswidrig.

2016 – 21 China

Die sog. Zwei-Kind-Politik ersetzt die Ein-Kind-Politik, die in China 35 Jahre lang galt. Sie erweist sich als so unwirksam, dass sie 2021 durch die Drei-Kind-Politik ersetzt wird, um die Auswirkungen der ­sinkenden Geburtenrate zu mildern.

2021 BRD

Elternzeit- und Elterngeldreform sollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und Väter zur Elternzeit motivieren. Mit dem erweiterten Partnerschaftsbonus erhalten Eltern bei geteilter Elternzeit länger Elterngeld.

2012

2025 Sumatra

Die Minangkabau sind die größte matrilineare und matrilokale Kultur weltweit. Land und Eigentum werden über die weibliche Linie vererbt. Frauen besitzen Reisfelder, Häuser und andere Güter, was ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit sichert.

2024 Südkorea / Japan / Singapur

Die Rate der Kinderlosen ist besonders hoch. Sie hat gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Gründe. In Südkorea sind über 30 % der Frauen im Alter von 40 – 44 Jahre kinderlos, eine der höchsten Raten weltweit.

2024 Europa


In Italien, Spanien und Griechenland ist die Rate der Kinderlosen mit 20 – 25 % relativ hoch. In Deutschland liegt sie bei 20 %, in Schweden und Norwegen bei 15 – 20 %.

2023 Europa

Die Familienzeit beträgt 2 – 4 Stunden täglich, inkl. Mahlzeiten, Gespräche, Spiele und gemeinsamer Aktivitäten, insgesamt 15 – 25 Stunden pro Woche. In den skandina­vischen Ländern, Italien und Spanien liegt sie bei täglich 3 – 4 Stunden.

2023 Europa

45 % der Kinder kommen in Deutschland unehelich zur Welt, in Frankreich 65 %, in Großbritannien 40 %, in ­Russland 25 %. In Italien liegt der Anteil bei 25 %, in ­Spanien bei 35 % – Tendenz in allen ­Ländern steigend.

2025 USA


In 27 US-Bundesstaaten sind Kinderehen ab 16 weiter legal. In 4 davon sind Ehen ab 0 Jahren mit elterlicher Zustimmung erlaubt. Die USA sind das ­einzige UN-Mitglied, das die UN-Kinderrechtskonvention nicht ratifiziert hat

2023 Europa

Der Anteil an Patchworkfamilien liegt europaweit bei ca. 15 %. Ein signifikanter Anteil der Familien besteht aus Eltern mit Kindern aus vorherigen Beziehungen. Der Anteil alleinerziehender Eltern liegt bei ca. 10 – 20 %.

2024 Nordamerika

Im Tradwife-Trend präsentieren sich junge Frauen als ­traditionelle Hausfrauen. Sie kochen, backen, geben ­Ehetipps. Der Trend stärkt ein elitäres, patriarchales Frauenbild, mit politisch-rassistischen Untertönen.

2025 Naher Osten

Tod, Zerstörung und Flucht im Gaza-Krieg treffen Familien in Palästina. Die Folgen sind enorm, mit tausenden Toten und zerstörter Infrastruktur. Besonders Frauen und Kinder sind betroffen.